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Im deutschen Reich · 1898-12-01 · Heft 12 (Dezember 1898) · p. 641

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 12 (Dezember 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-12-01
Page
641 (sequence 7)
Language
German
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Umschau. 641 allgemeine Stimmung in Deutschland wieder, als sie schrieb: „Was an der Ausweisungspolitik der deutschen Regierung zu rügen ist, wird die öffentliche Meinung in Deutschland rügen; dem Grasen Thun und dem österreichischen Abgeordnetenhause spricht sie jede Berechtigung dazu ab, und sie verbittet sich jede Einmischung fremder Völker und Regierungen in innere Angelegenheiten des Deutschen Reiches, wie das Deutsche Reich sich taktvoll jeder Einmischung in innere Angelegenheiten fremder Staaten und Regierungen zu enthalten weiß." — Vor Allem aber möchten die deutschen Urheber der verfehlten Ausweisungspolitik auf das achten, was die öffentliche Meinung in Deutschland von ihren Maßnahmen hält, die sich zwar des Beifalls der Antisemiten und Tivoli-Konservativen erfreuen, aber der traditionellen gastfreundlichen und duldsamen alten Hohenzollern-Politik wahrlich nicht entsprechen und zur politischen Isolierung führen müssen. So fällt z. B. der frühere Erzieher preußischer Prinzen, Professor Dr.Hans Delbrück, im Dezember- Heft der „Preußischen Jahrbücher" ein wahrhaft vernichtendes Urtheil über die neueste „Ausweisungspolitik", indem er schreibt: „Die jüngsten Ausweisungen in Schleswig schreien zum Himmel. Und schlimmer als die Brutalität ist die Verblendung, die da glaubt, mit solchen Mitteln im Kampfe der Nationalitäten dauernde Erfolge erzielen zu können. Es ist mit der nationalen Gesinnung wie mit der Religion; hinter den wahrhaft Frommen erheben sich sofort die Ketzerrichter und Jnquisitionsrichter, um im Namen des Heiligen ihre Schändlichkeiten zu verüben. So hat auch die nationale Gesinnung bei uns hier und dort einen nationalen Fanatismus erzeugt, der wild und verstockt glaubt, die Gesetze der Menschlichkeit mit Füßen treten zu dürfen und dem nationalen Gedanken, dem .er zu dienen vermeint, unüberwindlichen Schaden zufügt. " Wie die von den Antisemiten zugespitzten Pfeile weit über die kleine Schaar der bedrohten Juden hinausfliegen und schließlich diejenigen verwunden, welche vorher selbst mit den Judengegnern sympathisierten, dafür bietet die starke Gegenströmung Zeugniß, welche sich jetzt in verschiedenen deutschen Städten, besonders aber unter den Dresdener Großkausleuten gegen die von der Reformpartei dort betriebene Umsatz st euer für Großbetriebe und Kleinhandel geltend macht. Der Protest der Vereinigung der Dresdener Großkaufleute gegen das von der Stadtverordnetenschaft angenommene, zunächst aber erst nach den Entschließungen des Stadtraths bezw. des Ministeriums unterstehende 49'

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