Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-12-01
- Page
- 638 (sequence 4)
- Language
- German
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638 Im deutschen Reich. kannte und von ihr bis dahin nicht beanstandete Praxis in den städtischen Dienst getreten sind, durch die neuen Anordnungen besonders hart betroffen werden." Der „Neue Berliner Volksschullehrerinnen» Verein" hat einmüthig beschloffen, der Schuldeputation und dem Magistrat für die energische Wahrnehmung der Jntereffen der jüdiscken Kolleginnen zu danken und daran die Bitte zu knüpfen, sie auch ferner in ihren Rechten zu schützen. Inder Repräsentanten-Versammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde wurde zunächst beantragt, sich sofort mit einer Eingabe an das Staatsministerium zu wenden. Dieser Antrag wurde aber mit Rücksicht auf die Jnnehaltung des Instanzenweges abgelehnt, ebenso der Antrag, eine Deputation an den Kultusminister zu entsenden, welche persönlich die Beschwerde Vorbringen sollte. Schließlich einigte man sich dahin, an den Kultusminister eine erneute Eingabe zu richten und in derselben darauf hinzuweisen, daß eine in derselben Sache am 14. April 1896 abgesandte Petition unbeantwortet geblieben sei. Mit der Ausarbeitung der Petition wurde eine Kommission betraut, die aus dem Vorstande und den Repräsentanten Justizräthen Tiktin und Apolant, Stadtrath Weigert und dem Profeffor Baginsky gebildet wird. Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, daß der Eentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens schon vor Jahren sein Jntereffe an dieser Frage der jüdischen Lehrkräfte in einer zu diesem Zweck am 26. März 1896 stattgehabten Vereinsversammlung bekundete und dann im Sommer desselben Jahres durch eine Eingabe an den Kultusminister bethätigte, die aber ebenso wie andere zu dem Zweck verfaßte Eingaben unbeantwortet geblieben ist. Diese Erfahrung kann uns nicht entmuthigen, denn in unverwüstlichem Optimismus leben wir der Ueberzeugung, daß Recht doch Recht bleiben muß und daß gerade die Reaktion, die sich hier offen im schroffsten Widerspruch mit der verfaffungsmäßig verbürgten Gleichberechtigung kundgiebt, auch die christliche Bevölkerung darüber ausklären wird, wohin wir eigentlich treiben. Daß die christliche Religion durch die Ordinariate einer kleinen Anzahl jüdischer Lehrerinnen gefährdet worden sei, wird niemand ernstlich glauben. Keiner der konservativen Nachfolger des liberalen Kultusministers Falk, weder Puttkamer, noch Goßler, noch Zedlitz, haben Aehnliches befürchtet, sonst hätte die Thätigkeit jüdischer Lehrerinnen nicht ein Vierteljahrhundert hindurch in der bisherigen Weise fortdauern können. Langjährige Erfahrungen haben gelehrt, daß die jüdischen Lehrer und