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Im deutschen Reich · 1898-12-01 · Heft 12 (Dezember 1898) · p. 623

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 12 (Dezember 1898)
Article
Konfessionelle Kandidaturen
Date
1898-12-01
Page
623 (sequence 17)
Language
German
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Konfessionelle Kandidaturen. 623 harren, sprechen sachliche Gründe mit gebieterischer Kraft für unser Vorgehen. Handelte es sich um vitale Fragen der Landwirthschaft, der Industrie, wer wird es da den Vertretern dieser Berufe verargen, daß sie denjenigen unter den mehreren Kandidaten ihrer Partei wählen, der auf dem Boden ihrer Partei steht und obendrein dem Berufskreise angehört, um deffen Interesse es sich handelt? (Sehr richtig!) Die Judenschaft ist nicht von Anfang an organisiert gewesen, erst spät habm wir uns im Central- Verein zu einer Interessengruppe zusammengethan, der Central- Verein ist jünger als die antisemitische Bewegung. Letztere hat sich seit 1878 heraus entwickelt und länger als der Central-Verein besteht, giebt es Abgeordnete in den Parlamenten, die auf kein anderes Programm als das des Judenhasses gewählt sind. Wenn wir so durch Organisation unserer Gegner in die Defensive gedrängt sind und uns die Waffe der Vertheidigung und der Abwehr geradezu in die Hand gezwungen ist, sollten wir nicht da unsere Existenz vertheidigen und unsere Rechte wahren mit allen Mitteln, welche der Rechtsstaat und die Verfaffung uns an die Hand geben; oder sollen wir immer noch, obwohl wir uns bewußt sind, daß wir nicht Sonderrechte verfolgen, sondem nur der allgemeinen Güter des Rechtsstaates theilhaftig werden wollen, durch bescheidenes Zurückhalten und Unterdrücken berechtigter Wünsche die Gegner zu entwaffnen suchen? Ist es eine Prätension, sich die Männer auszusuchen, die, wo der Kampf uns aufgezwungen ist, uns am besten vertheidigen, unsere Rechte am besten schützen und wahren werden! Wer das meint, meine Herren, der hat den Ghettostandpunkt noch nicht verlaffen. (Bravo!) Jedweder Staatsbürger hat das Recht, im Vaterland sein Interesse mit allem Nachdruck zu vertreten, wenn er sich bewußt ist, daß sein Interesse sich deckt mit dem Gesammtinteresse des Vaterlandes. Wer da aus bescheidener Zurückhaltung sagt: „Ich erkenne den Rothstand an, ich erkenne an, daß das jüdische und das Gesammtinteresse es verlangen würde, daß ein Mann gewählt wird, der in ckuäuiols Bescheid weiß, aber ich resignire, um üble Nachrede zu vermeiden und die Gegner zu versöhnen," — der hat sein inneres Gleichgewicht noch nicht erlangt! Der weiß nicht, was er mit Recht zu verlangen befugt ist, und wohl überhaupt nicht, was er will, was er darf, was er soll! (Beifall.) Und das haben sicherlich, auch die 48

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