Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1898)
- Article
- Konfessionelle Kandidaturen
- Date
- 1898-12-01
- Page
- 621 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Konfessionelle Kandidaturen. 621 Vereinigung, vielleicht auch der nationalliberalen Partei oder anderen anschließen. Die Partei sich auszuwählen, ist Sache des Einzelnen. So wenig wir eine jüdische Partei bilden wollen und bilden, so wenig identifizieren wir uns als Juden mit einer Partei; wer uns vorwirft, daß wir ein jüdisches Centrum schaffen wollen) möchte selbst gem im Trüben fischen, durch verdächtigende Schlagworte berechtigte Jntereflen stören. Aber ist es denn Noth, so werden manche fragen, daß gerade Juden als Abgeordnete gewählt werden, ist es nicht opportuner, daß die Juden nach wie vor dem Parlamente fern bleiben und den liberalen Parteien die Wahrnehmung ihrer Jntereffen und Rechte überlasten? Vertreten nicht die freisinnige Vereinigung und die freisinnige Volkspartei auch diejenigen jüdischen Jnteresten, die sich mit den Interessen des Gesammtvaterlandes decken? Gewiß, der Gedanke, der Gleichberechtigung, der Gedanke, daß die Rechte, die in der Verfastüng gewährleistet sind, auch in der administrativen Praxis gewährt werden müssen, ist ein liberaler Gedanke. Aber das schließt doch nicht aus, daß innerhalb der liberalen Partei ein Theil des liberalen Programms von gewissen Personen mit größerer Wärme und größerem Eifer und größerer Kenntniß vertreten werden kann. (Sehr richtig.) Es handelt sich um zahllose Fragen, bei denen es nothwendig ist, daß jemand da ist, der, ich möchte sagen, in die Dinge eingeboren ist, der kraft seiner Vergangenheit und Erziehung die Dinge besser beurtheilen kann, als Abgeordnete, die ihr ganzes Leben lang vom Judenthum, dem Wesen der jüdischen Gemeinde, der jüdischen Religionsgenossenschaft nichts gewußt haben, und plötzlich das Material in die Hand bekommen, um auf Grund desselben im Parlament die verletzten Rechte der Juden zu vertheidigen. Es ist hier nicht anders wie in der Rechtspflege, wo der Sachwalter, der die Rechte der Partei wahrzunehmen hat, in zahllosen Fällen nicht die warmen Worte der Ueberzeugung finden wird, die dem zu Gebote stehen, der selbst für seine eigene Sache, sein eigenes, verletztes Recht eintritt. Gewiß haben die liberalen Parteien in dankenswerther Weise bisher die staatsbürgerlichen Rechte der Juden vertreten, aber sowohl dem Interesse der Juden wieder liberalen Parteien entspricht es, wenn die Abwehr antisemitischer Angriffe von den Angegriffenen selbst erfolgt. Den Juden hat es in den Augen der Antisemiten