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Im deutschen Reich · 1898-12-01 · Heft 12 (Dezember 1898) · p. 620

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 12 (Dezember 1898)
Article
Konfessionelle Kandidaturen
Date
1898-12-01
Page
620 (sequence 14)
Language
German
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620 3m deutschen Reich. eine j üd is che P o lit ik, die er treiben könnte, verfolgen wir denn Sonderrechte und Privilegien, wählen wir ihn, damit er Privilegien und Liebesgaben für Juden schaffe, oder wird er vielmehr nichts weiter wollen als das, was wir wollen, d. h. den großen, liberalen Gedanken der Gleichberechtigung aller Staatsbürger zu verwirklichen streben? — heißt das Sonderrechte verfolgen? Unser Jnteresie deckt sich mit dem Gesammtintereffe des Vaterlandes! Wir wollen, daß die Versaffung nicht blos ein geduldig Blatt Papier bleibe, daß die verfaffungsmäßig gewährleisteten Rechte nicht blos in der Theorie bestehen, sondern auch in der Praxis und im Leben ihre Verwirklickung finden. Wenn wir Gleichheit und Gerechtigkeit verlangen, wenn wir wollen, daß Recht Recht bleibt, daß Klassenhaß und Rassenhaß und Massenhaß im deutschen Vaterlande schwinden, dann treiben wir keine Sonderpolitik, sondern fördern das Interesse des Vaterlandes. (Bravo!) Die Gerechtigkeit ist die Grundlage des Staates. Diejenigen aber, die durch Haß verblendet, ganzen Gesellschaftsklassen ihre Menschen- und Bürgerrechte verkümmern wollen, leisten dem Umsturz Vorschub und sind die Feinde einer ruhigen Kulturentwicklung. (Lebhafter Beifall.) Es handelt sich nicht darum, der Antisemitenpartei, den Männern, die auf kein anderes Programm als auf das des Judenhasses gewählt sind, eine Judenpartei entgegen zu stellen. Lassen Sie sich nicht durch das Schlagwort beirren, daß wir ein jüdisches Centrum schaffen wollen! Wer von uns hätte das je verlangt und erstrebt? Sie fragen, was unseren Kandidaten von den Kandidaten des Cenlrums unterscheidet? Die Katholiken, die als Centrumsleute gewählt sind, treten als eine geschlossene Partei in das Parlament ein, sie sind gegenüber den großen Parteien, die sich abscheiden als Konservative, Liberale, Sozialisten, Polen, Dänen, Welfen u. s. w. eine Sonderpartei, die kein anderes Programm hat, als die Verfolgung spezifisch-katholischer Interessen, die lediglich durch das einigende Band des Glaubens zusammengehalten wird. Von alledem ist bei den jüdischen Kandidaten keine Rede, und wenn ihrer nicht zwei, sondern zwanzig gewählt wären, so würden wir nicht wollen, daß sie ein jüdisches Centrum bildeten, eine eigene jüdische Partei schüfen. Je nach ihrer politischen Ueberzeugung werden die jüdischen Kandidaten sich den bestehenden Politischen Parteien, sei es der Volkspartei, sei es der freisinnigen

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