Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1898)
- Article
- Konfessionelle Kandidaturen
- Date
- 1898-12-01
- Page
- 617 (sequence 11)
- Language
- German
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Konfessionelle Kandidaturen. 617 Kandidaten, die von Christen aufgestellt, unterstützt oder gewählt würden, christlich-konfessionelle Kandidaturen sein, — und an diesen Unsinn wird doch niemand glauben. (Sehr richtig!) Was gehört zum Wesen der konfessionellen Kandidatur? Von einer konfessionellen Kandidatur, speziell einer jüdisch-konfessionellen Kandidatur, kann nur dann die Rede sein, wenn ein Jude gewählt wird, der, o h n e die Qualitäten eines Abgeordneten der Partei, zu der er sich bekennt, zu haben, von seinen jüdischen Glaubensgenossen lediglich um seines Judenthums willen gewählt wird oder der sich dazu hergiebt, im Parlamente die Zwecke seiner Glaubensgenossen einseitig als Sonderzwecke zu fördern, mit anderen Worten, jüdische Politik zu treiben. Und nun wird es sich fragen: hat in diesem Sinne der von uns unterstützte Kandidat, Justizrath Friedemann, den Begriff der konfessionellen Kandidatur erfüllt? Daß er nicht lediglich um seines Judenthums willen gewählt werden sollte, ohne die Qualitäten eines volksparteilichen Kandidaten zu besitzen, darüber brauche ich kein Wort zu verlieren. Noch ehe der Central-Verein bestand, hat er im politischen Leben gestanden, in der Stadtverordneten- Bersammlung gewirkt, in zahllosen Vereinen eine gemeinnützige Thätigkeit entfaltet. Ich brauche auf seinen Charakter und seine Qualifikation nicht einzugehen, denn uns genügt es, daß ihn die offizielle Parteileitung als einen ihr genehmen Kandidaten acceptiert hat. Ist das der Fall, dann kann keine Rede davon fein, daß wir der Partei einen konfessionellen Kandidaten, der an und für sich nicht die Qualitäten eines volksparteilichen Kandidaten hat, hätten aufoktroyieren wollen. Vergegenwärtigen wir uns nur die Thatsachen. Von dem Vorstandstische des Wahlvereins des ersten Landtagswahlkreises wurden im Friedrichstädtischen Kasino zehn Namen als Kandidaten genannt — vom offiziellen Tisch des Vorstandes des Wahlvereins! —, und unter diesen zehn Namen war der des Justizraths Friedemann! Dort in einer überaus zahlreich besuchten Urwähler-Versammlung wurde über diejenigen Kandidaten abgestimmt, welche der Wahlmänner-Versammlung zu präsentieren seien; dort haben die einzelnen Kandidaten, u. A. auch der Justizrath Friedemann, ihr Programm entwickelt. Insbesondere hat letzterer erklärt, daß er sich dem Programme der liberalen Partei getreu als Vertreter der liberalen Gesammtinteressen betrachte und