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Im deutschen Reich · 1898-12-01 · Heft 12 (Dezember 1898) · p. 615

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 12 (Dezember 1898)
Article
Konfessionelle Kandidaturen
Date
1898-12-01
Page
615 (sequence 9)
Language
German
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Konfeffloneüe Kandidaturen, 615 Angelegenheiten bet uns autokratisch regiert, gegen seine Maßnahmen eine Klage im Verwaltungsstreitverfahren nicht besteht, ein Schulgesetz fehlt. Wo anders als im Parlament kann die Rechenschaft darüber verlangt werden, ob die Maßnahmen ministerieller Anordnung vor der Verfasiung bestehen können? Wer da will, daß wir unser Ziel erreichen, die Gleichberechtigung der Juden im preußischen Staat erringen, die Verfasiung zur Wahrheit machen, wird uns nicht anfinnen, vor den Parlamenten Halt zu machen, uns jeder Theilnahme an den Parlamentswahlen zu enthalten und uns damit der wirksamsten Waffe zu begeben, die dem Staatsbürger zur Geltende machung und Wahrung seiner Rechte und Jnteresien gegeben ist. Die Vertheidigung verfaflungsmäßiger Rechte kann am wirksamsten nur durch Betheiligung am Verfaffungsleben geübt werden. Wenn wir in den Parlamenten keine Kämpfer für unser Recht, keinen Resonanzboden süx unsere Beschwerden haben, dann wird all unser Mühen vergeblich sein. In welcher Weise sollen wir uns nun an den Parlamentswahlen betheiligen, in welcher Weise Einfluß im Parlamente zu erlangen suchen? Ich komme damit zu den Vorwürfen der zweiten Gruppe, die dahin gehen, daß wir uns an dem Geiste des Liberalismus und des konstitutionellen Staates versündigt hätten, indem wir konfessionelle Kandidaturen aufgestellt, Männer mit imperativem Mandat, mit Verpflichtung auf ein konfessionelles Programm in die Parlamente hätte schicken wollen. Wer der geistige Vater des Schlagwortes von der konfessionellen Kandidatur gewesen ist, will ich hier nicht erörtern. Ob es antisemitische Liberale aufgebracht haben, ob man damit die Liste der sogenannten „alten Männer" gegenüber dem „frischen Blute" hat bekämpfen wollen, die Liste: Träger, Hermes, Friedemann gegenüber der Liste Kreitling, Perls, Vollrath, und ob man dieses Schlagwort in die Welt gesetzt hat, weil man sonst nichts gegen die Kandidatur Friedemann Vorbringen konnte, das will ich unerörtert lasien. Daß unsere antisemitischen Gegner mit diesem Schlagworte operiert haben, dagegen läßt sich kaum etwas sagen. Aber daß F r e u n d e, die es gut mit uns zu meinen vorgeben, sich durch ein solches Schlagwort blenden und verwirren lasien und selbst Verwirrung angerichtet haben, das ist, was wir lies beklagen müsien. Ich will glauben, daß die Juden, die in der Urwähler- und in

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