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Im deutschen Reich · 1898-12-01 · Heft 12 (Dezember 1898) · p. 613

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 12 (Dezember 1898)
Article
Konfessionelle Kandidaturen
Date
1898-12-01
Page
613 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Konfessionelle Kandidaturen. 613 konnte, wir hätten durch unser Nichteintreten für die Freisinnige Vereinigung, uns mit der Volkspartei identifiziert, so haben wir, als ein Artikel im Posener Tageblatt die für Posen in unserer Zeitschrift ausgegebene Parole zu Gunsten der Volkspartei gegen die Freisinnige Vereinigung zu fruktifizieren, unser Nichteintreten für die Kandidatur Lewinsky als ein Eintreten für die Volkspartei zu stempeln versuchte, sofort erklärt: daß unsere Zurückhaltung keineswegs durch Gründe, welche in der Person des Kandidaten Lewinsky liegen, sondern aus prinzipiellen Erwägungen geboten sei. Und nun will man uns hier in Berlin den Vorwurf machen, wir hätten uns hier mit einer Partei identifiziert. Mit welcher denn? Haben denn der Volkspartei hier Kandidaten gegenüber gestanden, denen ein Jude unbeschadet seiner Würde seine Stimme hätte geben können! Wenn wir nicht die Herren des antisemitisch-antifortschrittlichen Kartells unterstützt, die Herren Ulrich und' Pretzel nicht gefördert und gewählt, wenn wir unter den verschiedenen Kandidaten der Volkspartei uns für denjenigen entschieden haben, der uns nach seiner Persönlichkeit der geeignetste zu sein schien, heißt das sich identifizieren mit der Volkspartei? Nein! Die Schlagworte: „wir seien kein politischer, sondern ein religiöser Verein", „wir identifizierten uns mit einer Partei", sind inhaltlose Phrasen. Ebenso thöricht ist der Mahnruf, wir sollten uns an den Parlamentswahlen nicht betheiligen, das sei unsere Sache nicht. Gewiß haben wir uns bisher nicht betheiligt; aber das hatte darin seinen guten Grund, daß bisher ein Eingreifen nicht möglich war. Zum ersten Male finden die Wahlen zum Parlament einen Verein, der unseren berechtigten Wünschen Nachdruck zu verleihen im Stande ist. Wir sind zum ersten Male vor die Frage der Aktion gestellt. Untreu sind wir uns nicht geworden; bei den Kommunalwahlen haben wir uns früher schon betheiligt, und auch da in einem Sinne, daß man uns nicht zum Vorwurf machen kann, wir hätten uns parteipolitisch betheiligt. Als für die Berliner Stadtverordneten-Versammlung antisemitische Kandidaten ausgestellt worden sind, da haben wir unsere Freunde ersucht, den Gegenkandidaten der Antisemiten unabhängig von der Parteirichtung, der er angehöre, zu unterstützen. Wir haben den politischen Parteien gegenüber dieselbe Stellung eingenommen, wie

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