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Im deutschen Reich · 1898-12-01 · Heft 12 (Dezember 1898) · p. 612

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 12 (Dezember 1898)
Article
Konfessionelle Kandidaturen
Date
1898-12-01
Page
612 (sequence 6)
Language
German
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612 3m deutschen Reich. sinnigen Vereinigung herab gegenüber. Dieses Kartell hatte einen jüdischen Kandidaten aufgestellt und man ist zu uns gekommen, um uns für diese Kandidatur zu interessieren, nicht blos und nicht vorwiegend aus Kreisen der Juden, sondern auch von anderer Seite her. Wir haben, um die Verhältnisse zu sondieren, einen Delegirten nach Posen geschickt, und da hat sich Folgendes ergeben: Diejenigen Männer, die man uns als einflußreich und als zu beeinflussen ausgab, haben erklärt, daß sie und der größte Theil der Posener Juden Anhänger der Volkspartei von Alters her seien. Hätten wir uns mit der freisinnigen Vereinigung ihres jüdischen Kandidaten wegen identifizieren wollen, so wäre nichts natürlicher gewesen, als daß wir die Glaubensgenossen, die der Volkspartei angehörten, zu bearbeiten, der Volkspartei abwendig zu machen versucht hätten. Um Gründe hätte man nicht verlegen zu sein brauchen, man hätte den Juden sagen können, daß uns die kleinlichen Gegensätze zwischen Volkspartei und Vereinigung nicht kümmerten, daß Gegensätze beider Parteien im preußischen Landtage kaum zum Ausdruck kommen würden, und daß der liberale Gedanke der Gleichberechtigung aller Staatsbürger und die Erstrebung einer jüdischen Kandidatur zur Verwirklichung dieses Gedankens uns höher stehen müßte als kleinliche FraktionSdifferenzen. Wir haben von derlei Beeinflussungen uns fern gehalten. Es erschien uns unseres Vereins und unserer Ziele nicht würdig, unsere Glaubensgenossen ihrer Partei abwendig zu machen. Verlangen wir Treue von unseren Mitgliedern, Treue zur Religion und zum Vaterland, so müssen wir auch die Treue zur Partei respektieren; wir konnten uns nicht entschließen, ihnen zu sagen: Geht um des jüdischen Kandidaten willen in das andere Lager über! Wir haben sondiert, und nachdem wir die Partei- Verhältnisse erkannt hatten, haben wir uns jeder Einwirkung dort enthalten. (Lebhafter Beifall.) Wir haben in unserer Zeitschrift veröffentlicht, daß wir mit Rücksicht auf die Lage der Verhältnisse den Dingen in Posen freien Laus lassen würden. Wir haben der freisinnigen Vereinigung überlassen, ihren Kampf mit der Volkspartei selbst auszumachen, und wir haben den Juden gesagt, sie sollten nach pflichtgemäßem Ermessen, sich selbst und ihrer politischen Ueberzeugung getreu, entscheiden. Und damit man uns nicht den Vorwurf machen

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