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Im deutschen Reich · 1898-11-01 · Heft 11 (November 1898) · p. 597

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 11 (November 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-11-01
Page
597 (sequence 6)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 697 fei und bleibe, daß feine Interessen sich mit denen des Gesammt» Vaterlandes deckten. Gewiß habe die liberale Partei in dankenSwerthrr Weife bisher die staatsbürgerlichen Rechte der Juden vertreten, aber sowohl dem Interesse der liberalen Parteien wie der Juden selbst entspreche es besser, wenn die Abwehr antisemitischer Beschimpfungen von den Angegriffenen selbst erfolge mit der Wärme, dem Eifer und der Sachkunde, wie sie vorzugsweise dem eigen, der den Angriff als eine persönliche Kränkung empfinde. Die Aufgaben der kommenden Legislaturperiode, insbesondere die bevorstehende Revision des Judengesetzes, verlange die Aufstellung von Kandidaten, welche das jüdische Gemeindeleben, die Schäden des Judengesetzes und die Punkte, bei denen eine Reform einzusetzen habe, aus eigener Erfahrung kennen. So sprächen sachliche Gründe dafür, hier Kandidaten aufzuftellen, die liberal und jüdisch zugleich seien. Daß Juden die Kandidatur eines Juden um seines Judenthums bekämpfen, beweise nur, daß sie auS den Zeiten der Bedrückung her noch immer nicht ihr Gleichgewicht wiedergefunden hätten und immer noch nicht wüßten, was sie mit Recht zu verlangen befugt seien. Jeder habe das Recht, im Nahmen deS GesammtintereffeS des Vaterlandes das eigene geltend zu machen. Welcher Katholik würde einen an und für sich qualifizierten, politischen Gesinnungsgenossen um deswegen die Stimme versagen, weil der Kandidat Katholik sei? Wenn die „Kreuzzeitung" hervorgehoben» daß Herr Friedemann in erster Reihe Jude und erst in zweiter Reihe liberal sei, so sei es befremdend, woher das die „Kreuzzeitung" wisse; mit demselben Rechte könnte man den Männern der „Kreuzzeitung" nachsagen, daß sie in erster Reihe für Wollzoll und Liebesgaben und erst in zweiter Reihe für Thron und Vaterland schwärmen. Wenn wir auch die Wahl Friedemanns nicht durchgesetzt hätten, sei doch unser Mühen nicht vergeblich gewesen. Im Uebrigen sei der Erfolg nicht maßgebend, wo Recht, Pflicht und Gewissen Richtschnur des Handels seien. (Stürmischer Beifall.) Herr Rechtsanwalt Dr. H o r w i tz betonte, daß der dem Vortragenden gezollte lebhafte Beifall als Beweis dafür gelte, daß der Verein das Vorgehen des Vorstandes billige, der sich dadurch ermuthigt fühlen wird, auf der beschrittenen Bahn weiterzugehen. Als beschämend sei aber zu bezeichnen, daß gerade Juden die Kandidatur Friedemann zu Fall gebracht hätten. Der Herr Vorsitzende ging dann zu geschäftlichen Mittheilungen über und berichtete u. A. über die Schritte, welche gegen den von dem Kolporteur Reumann-Fernthal hartnäckig verübten Flugschriften-

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