Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 595 (sequence 4)
- Language
- German
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vereinsnachrichten. 595 die jüdischen Lehrerinnen u. A. m.) ein und zeigte auch an einzelnen Beispielen, daß viele erst dann sich von der Notwendigkeit der Central-VereinS-Wirksamkeit überzeugen, wenn sie selbst von den Folgen der antisemitischen Wühlarbeit berührt werden. Im Verlaufe der äußerst anregenden Diskussion, an welcher sich die Herren Robert Wohlberg, Alphonse Levy, Rehwald und Dr. Jul. Schneider betheiligten, bot der Letztere als Delegierter des Vorstandes einen Ueberblick über das, was der Vorstand in der verhältnißmäßig kurzen Zeit von fünft Jahren gewirkt und erreicht hat. Herr Apotheker Löwen st ein erklärte, daß er das, was er über die Stellung des Vorstandes zu den Landtagswahlen zu sagen habe, in der „allgemeinen Versammlung" am 9. d. M. Vorbringen werde. Der Herr Vorsitzende erklärte sich damit völlig einverstanden und schloß dann die Versamlung mit herzlichen Dankesworten. In der am 9. November im Saale des Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde des Centralvereins, Berlin W., Potsdamerstr. 9, abgehaltenen allgemeinen Versammlung hielt Rechtsanwalt Dr. Eugen Fuchs einen Vortrag über „Konfessionelle Kandidaturen", .in welchem er die Vorwürfe beleuchtete, welche gegen den Vorstand aus Anlaß seiner Haltung bei den letzten Landtagswahlen erhoben worden sind. Man habe dem Verein vorgehalten, er sei ein religiöser, kein politischer Verein, der mit den Wahlen nichts zu thun habe und sich nicht mit einer einzelnen Partei identifizieren dürfe. Wenn aber der Verein die Gleichberechtigung der Juden in Staat und Gesellschaft verwirklichen wolle, ohne sich um religöse Angelegenheiten zu kümmern, sei er trotz der entgegenstehenden Bezeichnung im Berliner Adreßbuchs kein religiöser, sondern im Sinne des Gesetzes ein politischer Verein; allerdings kein parteipolitischer; er identifiziere sich nicht mit einer der bestehenden Parteien. Gerade weil der Verein dies nicht hätte thun wollen, hätte er bei den Wahlen in Posen es abgelehnt, zu dem Streite zwischen Volkspartei und Freisinniger Vereinigung Stellung zu nehmen, obwohl letztere einen jüdischen Kandidaten aufgestellt habe, noch weniger könne man sagen, daß sich der Verein in Berlin mit der Volkspartei identifiziert habe, wenn er diese gegen die antifortschrittlichen, in diesem Falle antisemitischen Kandidaten unterstützt und sich für nur einen bestimmten Kandidaten der Volkspartei interessiert habe. Man könne dem Verein nicht zumuthen, den Wahlen fern zu bleiben; gerade von der Parlamentstribüne aus sei das Judenthum von antisemitischen Abgeordneten beschimpft worden; gerade im Parlament sei die einzige Möglichkeit,