Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 579 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 579 hier in den Mund gelegt wird. Vor dem Lobe des „Deutschen VolkSblatteS" und seiner Genoffen mögen wir für alle Zeiten bewahrt bleiben." Diese energische Abschüttelung, welche ihrem bayerischen GesinnungSgenoffen widerfuhr, hat das Hauptorgan der sächsischen Antisemiten, Zimmermann's „Deutsche Wacht", nicht davon zurückgehalten, eine Woche später, am 24. Oktober, die aus den Fingern gesogene Behauptung des Herrn Wengg zu wiederholen. Es ist nicht anzunehmen, daß dir Redaktion der „Deutschen Wacht" von der in mehreren Tageszeitungen wiedergegebenen Erklärung der Redaktion der „Münchener Allg. Zeitung" nach einer ganzen Woche noch keine Kenntniß gehabt haben sollte; aber die antisemitische Maxime heißt nun einmal: es wird fortge—fabelt! Offenbar sind die deutschen Antisemiten nicht ohne Nutzen bei ihren österreichischen Gesinnungsgenossen in die Schule gegangen, wenn sie auch glücklicher Weise nicht in der Lage sind, so erfolgreich wie diese zu operieren. Der Uebermuth des antisemitischen Wiener Bürgermeisters Dr. Lueger ist durch die dortigen Verhältnisse so gesteigert worden, daß er sich für berechtigt hielt, selbst an richterlichen Urtheilen öffentlich Kritik zu üben. Als er'über seine sehr fragwürdige Haltung in der Gasangelegenheit interpelliert wurde, sagte er: „Ich stehe nicht an, offen zu erklären, daß ich sowohl das Urtheil des Handels-, als das des Ober-Landesgerichtes nicht für richtig halte und immer noch von der Wahrheit der Gutachten des Dr. Pfaff und Exner überzeugt bin. Die liberale Partei hat sich nur geärgert, daß ich nach den Urtheilen noch rechtzeitig den Kopf auS der Schlinge gezogen habe. Es ist eine unbestreitbare Thatsache, daß sich das Volk nur mit großer Angst an den Richter wendet und lieber zur Polizei geht". Dasselbe Vorurtheil, welches Dr. Lueger trotz seiner zur Schau getragenen regierungsfreundlichen Gesinnung gegen die Rechtspflege in seinem Vaterlande bekundet, beseelt ihn und den Troß seiner Anhänger auch den Trägern der medizinischen Wissenschaft gegenüber. Ein Unglücksfall, der sich im pathologischanatomischen Institute in Wien ereignete, bot ihm und seinem Freunde, dem antisemitischen Abgeordneten Gregorig, und dem Redakteur des „Deutschen Volksblattes" Vergani die beste Gelegenheit, die Wiener Bevölkerung gegen die Aerzte und ganz besonders gegen den Professor Nothnagel aufzuhetzen, welcher dem „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" angehört und ihm deshalb doppelt verhaßt ist. In dem erwähnten Institute hatte sich der Diener Barisch bei den dort von einem Assistenten Nothnagel's, Dr. Müller, vorgenoinmenen wissenschaftlichen Untersuchungen mit Pestbazillen infiziert, und nicht nur