Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1898-11-01 · Heft 11 (November 1898) · p. 573

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 11 (November 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-11-01
Page
573 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2316602-2316637-2316648--04631-2323288
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau. 573 gewiß nicht erwiesen haben. Nur der beschämende vollständige Ausschluß der Bekenner der jüdischen Religion von dem passiven Wahlrecht sollte verhindert werden, und daß dies erreicht worden, ist ein wesentlicher Gewinn nicht nur für die preußischen Juden, sondern für den Parlamentarismus, der beeinträchtigt wird, wenn geeignete intelligente Kräfte aus ganz unzutreffenden Gründen brach liegen bleiben, besonders aber für das gute Recht, dessen Verletzung stets das Gemeinwohl empfindlich schädigt. Das von solchen Beweggründen geleitete Eingreifen des Central-Vereins bei den Landtagswahlen ist in einem Vorträge des Herrn Rechtsanwalt Dr. Fuchs lichtvoll erläutert worden, weshalb wir diesen am 9. November in einer allgemeinen Versammlung des Central - Vereins gehaltenen Vortrag in vollem Wortlaut zur Kenntniß unserer Leser bringen werden. Es war eine der interessantesten Erscheinungen des Wahlkampfes, daß bei demselben gerade von konservativer Seite der „jüdischen Intelligenz" Anerkennung gezollt wurde, um möglichst die „innige Verbindung zwischen Freisinn und Judenthum" zu lösen. Die „Schlesische Zeitung" sagte am 19. Oktober in einem „Der Antisemitismus und die Wahlen" überschriebenen Artikel, der Parteiantisemitismus habe keine große Bedeutung, aber bei der großen Bedeutung, welche dem Judenthum in Staat und Reich zwar nicht der Kopfzahl nach, wohl aber in Bezug auf Intelligenz und Besitz unleugbar zugesprochen werden müsse, sei der bewußte politische Gegensatz weiter Bevölkerungsschichten zum Judentum immerhin geeignet, das politische Leben des Volkes ernstlich zu gefährden. Das konservative Blatt fuhr dann fort: „Trotz gegentheiliger Versicherung von freisinniger Seite kann unmöglich in Abrede gestellt werden, daß in der historisch gewordenen freisinnigen Partei das Judenthum und die Demokratie eine eigenartige Verbindung eingegangen sind. Diese Verbindung stellt sich offenbar als ein schwerer politischer Fehler nicht nur seitens der deutschen Demokratie, sondern namentlich auch seitens der großen Mehrheit der deutschen Juden dar. Wäre dieser Fehler von der jüdischen Intelligenz nicht begangen worden, so wäre der Antisemitismus als politische Bewegung vielleicht überhaupt nicht in die Erscheinung getreten, keinesfalls hätte derselbe in dem Maße, wie es geschehen ist, erstarken können.^ Der Artikel schloß mit den Worten: „Die Art der Vertretung, welche die jüdische Intelligenz durch die Demokratie findet, mag der ersteren manche momentane Vortheile bringen. Ihren wahren Interessen entspricht sie aber nicht, weil durch eine solche Art

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.