Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- Manasseh Ben Israel
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 569 (sequence 7)
- Language
- German
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Manaffeh Brn Israel. KSV Der vierte Grund meines Herkommens ist meine aufrichtige Liebe zu dieser Republik wegen der vielen würdigen, gelehrten und frommen Männern in dieser Nation, deren liebreiche Güte und Frömmigkeit ich aus Erfahrung kennen gelernt habe. Ich hoffe daffelbe Wohlwollen bei diesem Volke im Allgemeinen zu finden, um so mehr weil ich in Schriften und Thaten immer viel Zuneigung zu dieser Republik bezeugt habe, und weil ich überzeugt bin, daß die Einwohner eingedenk des Gebotes unseres Herrn Gottes sein werden, das allen Menschen die L i e b e der Fremden, um so mehr derer, welche ihnen ihre freundliche. Zuneigung aussprechen, nachdrücklich empfiehlt. Alle mögen zuversichtlich glauben, daß ich nicht gekommen bin, Unruhe zu stiften oder Streitigkeiten über religiöse Angelegenheiten zu erregen, sondern nur, um mit meiner Nation in der Furcht des Herrn unter dem Schatten Ihres Schutzes zu leben, während wir mit Ihnen erwarten, daß die Hoffnung Israels sich offenbaren wird. Manasse Ben Israel, den man wegen dieser Schriften und insbesondere wegen des von M o s e s M e n d e l s s o h n in deutscher Uebersetzung wiedergegebenen und mit einer Vorrede eingeleiteten Werks „Vinäioias <luäasoruin", „Stellung der Juden", den „Rieffer des 17. Jahrhunderts" genannt hat, ist für uns auch deswegen eine intereffante Persönlichkeit, weil er bewiesen hat, daß ein Jude auch in der vorurtheilsvollsten Zeit durch treffliche Geistes- und Herzenseigenschasten bei Andersgläubigen Hochachtung und Liebe zu erringen vermochte. Der glaubenseifrige „Chacham" der portugiesischen Gemeinde in Amsterdam stand nicht nur in regem geistigen Verkehr mit verschiedenen zeitgenössischen christlichen Gelehrten, sondern war mit einigen derselben innig befreundet. Zu diesen gehörte Caspar Barläus, ein christlicher Prediger und Professor der Logik in Leyden, der wegen einer sich dem Standpunkte der Sozinianer nähernden Schrift sein Amt in Leyden verlor, später aber als Profeffor der Philosophie am Athenäum in Amsterdam Anstellung fand, wo er 1648 starb. Von diesem holländischen Denker und Dichter ist noch ein Epigramm vorhanden, welches Zeugniß dafür giebt, daß eine ähnliche Freundschaft ihn mit Manaffe Ben Israel verband, wie später Lessing und Mendelssohn. Die denkwürdige Dichtung lautet: