Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- Manasseh Ben Israel
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 564 (sequence 2)
- Language
- German
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564 Im deutschen Reich. eine nach der andern; am Ende des ersten Jahrhunderts ihre» Aufenthaltes im Lande waren sie im Besitz aller Freiheiten, und die ihnen noch vorenthaltenen Rechte Habens sie in diesem Jahrhundert sich errungen. Die folgenden Zeilen sollen der Erinnerung an den Mann gelten, der durch seine Schriften das Meiste dazu beigetragen hat, daß England den Juden sich wieder öffnete. Nach mannigfacher Unterdrückung und 'Niedermetzelung erfolgte im Jahre 1290 durch Eduard I. die gänzliche Vertreibung der Juden aus England. Wenn es auch seit diesem Jahre einzelne Juden wagten, Geschäfte halber dieses Land zu besuchen, so wurde doch erst unter Cromwell der erfolgreiche Versuch gemacht, das Verbot, das die Niederlaffung der Juden in England im allgemeinen unmöglich gemacht, zu entkräften und allmählich zu beseitigen. Den Bemühungen des ebenso gelehrten wie thatkräftigen Rabbi Manaffeh Ben Israel ist es zu verdanken, daß die Juden wieder nach England zurückkehren durften, wo sie seitdem in Zahl und Wohlfahrt sich vermehrten, an der nationalen Industrie theilnahmen und nach und nach sich bis zur völligen Gleichstellung mit ihren Mitbürgern entwickelten. Manaffeh Ben Israel wurde 1604 in Lissabon geboren. In Folge der Machinationen Philipps III. von Spanien und der Inquisition mußten seine Eltern aus Portugal fliehen. Wie die meisten aus der iberischen Halbinsel Vertriebenen, ließen auch sie sich inHolland nieder. So außerordentlich waren die Fähigkeiten des jungen Manaffeh, daß er schon im Alter von 15 Jahren seinem früheren Lehrer, dem Rabbi von Amsterdam, im Nabbinat folgte. Seine Thätigkeit war ungemeinvielseitig; er veröffentlichteWerkeinHebräisch, Lateinisch, Englisch und Portugiesisch und korrespondierte mit den berühmtesten literarischen Männern seiner Zeit, jüdischen und christlichen. Was seinen Namen jedoch für immer in dankbarer Anerkennung erhalten wird, ist, daß er durch seine Verwendung bei Cromwell die Wiederzulassung der Juden in England erwirkt hat. Die Adressen, die er in dieser Angelegenheit an den Protektor Cromwell und die damalige Republik England gerichtet hat, haben ein historisches Interesse, wenn in denselben auch, im Geiste jener Zeit, Theologie, Politik und Nationalökonomie mit einander gemischt Vorkommen. Eben die historische Wichtigkeit