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Im deutschen Reich · 1898-11-01 · Heft 11 (November 1898) · p. 560

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 11 (November 1898)
Article
Am Ende des Jahrhunderts
Date
1898-11-01
Page
560 (sequence 18)
Language
German
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560 Im deutschen Reich. Deutschlands die nationale^Spaltrmg wieder erweitern sollte/ dann wäre sie tief zu beklagen. Sie wäre deswegen tief zu beklagen, weil sie eine Konzession sein würde für den ^nationalen ICHauvinisnrus, der einen so bedeutsamen und traurigen Rückschlag bildet gegen das Weltbürgerthum des vorigen Jahrhunderts; sie würde gerade den Feinden die Waffen gegen das Judenthum in die Hand geben. Ich meine, ein solcher Ausweg dürste nur der letzte Ausweg der Verzweiflung sein, wenn man jede Hoffnung auf eine andere Lösung der Frage verloren hat. Wir wollen uns nicht einem solchen Pessimismus hingeben, sondern wir wollen mit all unserer Kraft kämpfen, um uns als deutsche Staatsbürger die Rechte zu erringen, die uns die Verfaffung gewährleistet. Wir haben — und ich erwähnte das bereits oben — eine lange Zeit unthätig vorübergehen laffen, und wir sind nicht von Schuld freizusprechen, daß diese Bewegung so um sich gegriffen hat, wie sie es gethan. Fünfzehn Jahre fast ist nichts geschehen. Nachdem etwas geschehen ist, hat man gesehen, wie' wirksam doch die Waffen sind, die geführt werden, wie schwer es aber ist, eine Bewegung zu bekämpfen, die ungehindert so lange sortgewuchert hat. Man sagt heute noch manchmal: ja, was sollen die Schriften, die bekehren doch keinen Antisemiten! Aber auf jene Tausende, die unparteiisch dazwischenstehen und die sich gern eine Meinung bilden wollen, wirken diese Schriften außerordentlich. Ich habe zufällig in den Denkwürdigkeiten des Erzbischofs Kettler von Mainz vor einigen Tagen eine Stelle gefunden, worin er erwähnt, daß er von einem gewissen Joel Jacoby ein Buch gelesen hätte über das Judenthum, und dieses Buch hätte seine Meinung über das Judenthum vollständig umgestaltet; er sei von tiefstem Mitleid und mit tiefster Sympathie für dieses Volk erfüllt. Das ist nur ein Beispiel, und sie lassen sich leicht durch Erfahrungen aus der neuesten Zeit vermehren. Ich habe mich überzeugt^ wie wenig zweckentsprechend es ist, antisemitische Versammlungen' und Agitatoren ruhig gewähren zu lassen in der Meinung, sie wirthschafteten sich von selbst ab, und es nütze nichts, sie zu bekämpfen. Ich hatte vor einigen Jahren Gelegenheit, einer antisemitischen Versammlung in Eberswalde beizuwohnen; ich hörte dort, mit welcher Geschicklichkeit der Antisemit, der von Berlin gekommen war, auf die Arbeiter einzuwirken

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