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Im deutschen Reich · 1898-11-01 · Heft 11 (November 1898) · p. 559

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 11 (November 1898)
Article
Am Ende des Jahrhunderts
Date
1898-11-01
Page
559 (sequence 17)
Language
German
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Am Ende des Jahrhunderts. 559 deutschen Parlament, außer bei den Sozialdemokraten, kein einziger jüdischer Parlamentarier sich mehr befindet; daß im preußischen Abgeordnetenhause überhaupt kein Jude mehr einen Sitz hat. Das für einen Zufall zu erklären, das heißt doch sich selbst täuschen. Daß hier dem Antisemitismus innerhalb der Partei eine Konzession gemacht ist, das kann keiner leugnen. Freilich — und das ist ein Punkt, den ich hier ganz besonders betonen muß — freilich - ist es eine traurige Thatsache, daß die maßgebenden Kreise innerhalb der liberalen Partei sich in dieser Beziehung auf die Juden selbst berufen können, daß sie auf einzelne Wahlkreise Hinweisen können, wo die Juden selbst aus Furcht, daß der Antisemitismus in ihren Wahlkreisen um sich greifen könne, sich Kandidaturen von Juden widersetzt haben; wir haben einige bestimmte Fälle, bei denen dies bei der letzten Reichstagswahl t hatsächlich konstatiert worden ist. Fragen wir unsnun: Sollen wir dieser Bewegung gegenüber ruhig die Hände in den Schooß legen, oder ist es richtig, was gerade der Gedanke und das belebende Element'dieses Vereins ist, ihr kämpfend entgegenzutreten? Verschiedene Versuche sind gemacht worden, den letzteren Weg einzuschlagen, und wir müsien dies doch freudig begrüßen als einen Beweis, daß der Jude zu stärkerem Selbstgefühl erwacht ist. Wir sehen in der allerneusten Zeit eine Bewegung, die auf eigenthümliche Weise diese Frage zu lösen sucht, indem sie die Hoffnung auf die Errichtung eines selbstständigen jüdischen Nationalstaates richtet. Ich kann es begreifen, daß die vielen Bitterniffe, daß die vielen Enttäuschungen eine derartige Hoffnungslosigkeit in manchen Seelen erregt haben, daß sie glauben, eine Versöhnung des Deutschthums mit dem Judenthum sei nicht möglich. Daß diese Bewegung ein gewiffes, festes jüdisches Selbstbewußtsein wieder erzeugt hat, das, glaube ich, können wir am wenigsten an ihr beklagen. Wenn sie nichts weiter will, als den schwerbedrückten Juden des Ostens eine Heimstätte in den Kolonien des Morgenlandes sichern in der Hoffnung, daß aus diesen Kolonien sich allmählich vielleicht ein organischeSGemeinwesen bildet, ich glaube, dagegen wird man nichts Ernsthaftes einwenden können. Wenn aber freilich diese Bewegung, was zu befürchten ist, innerhalb 44

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