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Im deutschen Reich · 1898-11-01 · Heft 11 (November 1898) · p. 561

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 11 (November 1898)
Article
Am Ende des Jahrhunderts
Date
1898-11-01
Page
561 (sequence 19)
Language
German
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Am Ende des Jahrhunderts. 661 wußte, wie er die Judenfrage geschickt umging und' sich das soziale Mäntelchen umhing. Und während ihm zuerst durchaus mit Antipathie in der Versammlung begegnet wurde, so neigten sich am Ende seiner Rede vollständig die Meinungen ihm zu, und wenn dort nicht Redner aufgetreten wären, die ihn entlarvt und vor den Arbeitern gezeigt hätten, wohin diese ganze Deduktion führe, daß sie lediglich ein Fechterkunststück der Antisemiten sei, so hätten die Antisemiten damals diesen Ort erobert. Der Erfolg war aber durch die gemachte Opposition gerade ein entgegensetzter; die Versammlung endete mit einer vollständigen Niederlage der Antisemiten. Das ist ein einzelnes Beispiel, welches aber zeigt, was geschehen kann, wenn jeder seine Schuldigkeit thut. Leider geschieht das nicht, leider wird den antisemitischen Agitatoren Gelegenheit gegeben, ungestraft die Volksmenge mit Unwahrheiten zu vergiften, die der Unbefangene^ namentlich der Landmann, der die andere Meinung nicht hört, naturgemäß als baare Münze hinnimmt. Vor allen Dingen — und das erwähnte ich vorhin schon — wäre es die erste Nothwendigkeit, daß den Juden Gelegenheit gegeben würde, ihre Vertheidigung von der Stelle aus zu führen, von der die Hauptangriffe, die wirksamsten Angriffe gegen das Judenthum geschehen — d. h. in den Parlamenten selbst. Die Rede eines antisemitischen Abgeordneten verbreitet sich in Deutschland, überall wird sie gelesen; die Erwiderungen darauf, die in einzelnen Blättern erscheinen, sind nur kleinen Kreisen zugänglich. Von derselben Tribüne aus sie zu widerlegen, das wäre erst eine wirksame Kampfesweise. Leider müssen ja die Juden, wie die heutigen Verhältnisse sind, sich lediglich in ein Schutzverhältniß zu gewiffen liberalen Führern geben, in ein Schutzverhältniß, welches meiner Ansicht nach der Stellung der Juden nicht würdig ist. Ich glaube, daß es vor allen Dingen eine Ehrenpflicht der liberalen Partei wäre, gerade gegenüber diesen fortwährenden Angriffen, die gegen das Judenthum geschleudert werden, auch den Juden Gelegenheit zu geben, sich gegen dieselben zu wehren. Wenn der Kampf, den wir führen, auch nur langsam fortschreitet, ein Jeder von uns muß seine Schuldigkeit thun. Ob es. etwas nützt, — dieser Gedanke darf uns dabei nicht leiten. Ob die 44'

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