Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- Am Ende des Jahrhunderts
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 554 (sequence 12)
- Language
- German
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654 Im deutschen Reich. wurden durch Kabinetsordre von der Auskultatur, dem Referendariat und der Advokatur ausgeschloffen, Und als man den König) fragte, was er mit dm Juden eigentlich wolle, da antwortete er, daß er es zwar sehr gut meine mit den Juden, daß er aber vor allm Dingm wünsche, daß sie Juden bleiben —- d. h. nicht in dem wohlmeinmden Sinne, wie wir es alle. verstehm, sondern daß sie abgeschlossm bleiben von dm anderen Staatöbürgem, abgeschloffm in geselligm und auch in ihren rechtlichen Beziehungm. Als im Jahre 1847 die Freiheitsbewegung ihr Banner zuerst mtfaltete, da wurde im vereinigten Landtage sofort die Frage der Judmemanzipation wieder berührt. Eigenthümlicher Weise waren es damals gerade Männer der Aristokratie, die für die Juden eintratm, Graf Renard forderte ihre Emanzipation, und der Staatsminister Thiele erklärte sich mit dem Vorbehalt dafür, den allerdings auch der Graf Renard gemacht hatte, daß die Juden aus ihrer starren Absonderung herausträten; der Minister setzte aber hinzu, er glaube nicht, daß die Juden darauf 'eingehen würden. Nur ein Mann war es — und das ist intereffant im Hinblick auf die spätere Zeit —, Herr von Bismarck, der sich mit aller Energie gegen die Emanzipation der Juden aussprach: „Ich bin kein Feind der Juden, und wenn sie meine Feinde sein sollten, so vergebe ich ihnen. Ich liebe sie sogar unter Umständen. Ich gönne ihnen auch alle Rechte, nur nicht das, in einem christlichen Staate ein obrigkeitliches Amt zu bekleiden." Der vereinigte Landtag konzedierte damals den Juden mit wmigen Stimmen Majorität die kommunalen und die staatlichen Rechte; aber das Recht, in den Landtag selbst gewählt zu werden, wurde mit einer Stimme Majorität damals noch abgelehnt. Erst das Jahr 1848 brachte die volle Gleichberechtigung der Juden, und die Emanzipation ging damals so gut wie ohne jeden Widerstand durch. Es war nur, soviel ich weiß, Moritz Mohl, der im Frankfurter Parlament eine ganz kurze Rede dagegen hielt; aber er wurde mit Entrüstung niedcrgeschrieen, und mit großer Majorität wurde die Gleichberechtigung der Juden beschloffen. Eine eigene Fügung der Weltgeschichte aber war es, daß gerade in Frankfurt, wo im Anfang des Jahrhunderts die Juden sich noch in einer so erniedrigenden Lage befunden hatten, der Vizepräsident des ersten deutschen Parlamentes, Gabriel Messer, ein Jude war!