Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- Am Ende des Jahrhunderts
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 553 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Am Ende des Jahrhunderts. 558 diese Worte, auf dem Königsberg« Huldigungslandtag gesprochen, sollten sich bald als tönende Redensarten erweisen. Nur die ersten Regierungsjahre Friedrich Wilhelms IV. ließen, vermuthen, daß eine freiere Richtung für die jüdischen Unterthanen Platz greifen w«de: Meyerbeer wurde zum Musikdirektor des preußischen Staates, der Physiker Rieß zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt. Gerade diese letztere Ernennung möchte ich hier nicht stillschweigend übergehen, weil sie zeigt, wie ein Mann, der zu den hervorragendsten des Jahrhunderts gehört, Alexander'von Humboldt, -über das Judenthum nicht nur dachte, sondern wie er auch thatsächlich seine Kraft für die Rechte der Juden einsetzte. Er bewirkte es hauptsächlich, daß Rieß zum Mitglied d« Akademie ernannt wurde, und als er es erlangt hatte, da schrieb er die schönen Worte: „Die Wahl ist für die Akademie sehr ehrenvoll ausgefallen." Und wie jene Zeit, die doch' so weit zurückliegt, in manchen Fragen von der unsrigen sich vortheffhaft abhxbt, das zeigt auch die Antwort, die damals die Akademie der Wissenschaften auf die Anfrage des Kultusministers von Eichhorn gab, ob die Akademie wisse, daß Rieß ein Jude sei. Sie wies die Frage einfach als ungehörig zurück, ohne sie zu beantworten. Das war die Erwiderung, welche die Akademie der Wissenschaften in der Frage der Gleichberechtigung der Bürger dem Vorgesetzten Minister damals zu geben wagte. Auch als die Wolken sich düstr« zusammenzogen, als im Jahre 1842 das neue Judengesetz in der Luft schwebte, da wandte sich Alexander von Humboldt mit Heftigkeit dagegen. Er spricht in einem Briefe an Varnhagen von Ense von dem „scheußlichen Judengesetz", und er warnt davor, daß man die Rathschlüsse Gottes deuten wolle, wie es in dem Eingänge des Gesetzes heiße, „weil die Juden bestimmt seien, ausgeschlossen zu werden und sich abgesondert von den Nationen zu halten." Wie gesagt, die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Die Verordnungen und Gesetze, die unter Friedrich Wilhelm IV. erlassen wurden, beschränkten die Rechte der Juden noch mehr als es vorher geschehen war. Der König hatte sogar die Absicht, sie vom Militärdienst zu befreien — eine sehr zweischneidige und eigenthümliche Vergünstigung, die er den Juden erweisen wollte. Sie