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Im deutschen Reich · 1898-11-01 · Heft 11 (November 1898) · p. 551

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 11 (November 1898)
Article
Am Ende des Jahrhunderts
Date
1898-11-01
Page
551 (sequence 9)
Language
German
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Am Ende des Jahrhunderts. 551 waltiger die' Zunge lähmen kann, die Oriflamme in dem Kampf für das Vaterland, und wie er schmerzbewegt hinzusetzt: ein Vaterland selbst Demjenigen, dem Thorheit und Arglist ein Vaterland verweigern. Wie ich aber bereits erwähnt habe, ist das eigenthümliche Schicksal dieser beiden Männer gerade diese gleichzeitige Stellung als Deutsche und als Juden gewesen, die Schwierigkeit, stch in die Lösung dieses Räthsels hineinzufinden. Heine selbst giebt es als seine Aufgabe an, daß, wenn der Kampf wieder ausbrechen werde, den er prophetisch vorher verkündet, dann sein Wort der judenfeindlichen Bewegung gegenüber Macht haben würde: Daß ich für die Rechte der Juden und ihre bürgerliche-Gleichheit sein werde, das gestehe ich, — ruft er — und in schlimmen Zeiten, die unausbleiblich sind, wird der germanische Pöbel meine Stimme hören, daß es in deutschen Bierstuben und Palästen widerhallt." Und wie tief er das schwere, tausendjährige Schicksal seines' Volkes trotz seines Uebertritts immer noch empfand, das bezeugen die Verse, die er als Widmung seinem „Rabbi von Bacharach" mitgab: Brich aus in laute Klagen, du düst'res Märtyrerlied, Das ich so lang' getragen im flammenstillen Gemüth. ES -dringt in alle Ohren und durch die Ohren in's Herz, Ich habe gewaltig beschworen den tausendjährigen Schmerz. Auf die übrigen Dichter des „jungen Deutschland", die damals in der Literatur den Ton angaben, blieb ihr Einfluß nicht ohne Wirkung. Laube, ein Hauptvertreter des „jungm Deutschland", zeichnet in seinem großen Roman „Das junge Europa" einen polnischen, jüdischen Offizier und zeigt die Seelenkämpfe und die Zurücksetzung, die derselbe erdulden muß. Und Gutzkow spricht in seiner Biographie Börne's Worte, die zeigen, wie tief er zu empfinden verstand, was auf dem Judenthum noch lastete: Der jüdische Kaufmann — heißt es da —

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