Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- Am Ende des Jahrhunderts
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 550 (sequence 8)
- Language
- German
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550 Im deutschen Reich. habt hättm. Jedoch wenn wir Worte Börne's und Heine'S lesen, die gerade in Bezug auf die Frage der Zugehörigkeit zur deutschen Nationalität hinzielen, so sehen wir, wie ungerecht, wie historisch vollständig unbegründet diese Vorwürfe sind. Gerade diese Vereinigung des Juden und des Deutschen ist dasjenige, was Börne als Ideal vorschwebte. In einem der Pariser Briefe ruft er aus: Nein, daß ich ein Jude geboten, das hat mich nie erbittert gegen die Deutschen, das hat mich nie verblendet. Ich wäre ja nicht werth, das Licht der Sonne zu genießen, wenn ich die große Gnade, die mir Gott erzeigt, mich zugleich einen Deutschen und einen Juden werden zu lasten, mit schnödem Murren bezahlte wegen eines Spottes, den ich immer verachtet, wegen Leiden, die ich längst verschmerzt. Nein, ich weiß das unverdiente Glück zu schätzen, zugleich ein Deutscher und ein Jude zu sein, — und nun führt er in schöner Weise aus, daß gerade diese Stellung als jüdischer Deutscher ihm den Sinn für die Freiheit erweckt hat: weil ich als Knecht geboren, darum liebe ich die Freiheit mehr als ihr. Ja, weil ich in keinem Vaterlande geboren, darum wünsche ich ein Vaterland heißer als ihr, und weil mein Geburtsort nicht größer war als die Judengaffe und hinter den verschlossenen Thüren das Ausland für mich begann, genügt mir auch die Stadt nicht mehr zum Vaterlande, nicht mehr ein Landgebiet, nicht eine Provinz, nur das ganze, große Vaterland genügt mir, soweit seine Sprache reicht. Und hätte ich die Macht, ich duldete nicht, daß Landgebiet von Landgebiet, daß deutschen Stamm von deutschem Stamm auch nur eine Gaste trennte, nicht breiter als mein Haus, und hätte ich die Macht, ich duldete nicht, daß nur ein einziges Wort aus deutschem Mund jenseits der Grenzen zu mir herüberschallt. Und Heine ruft aus, als er auf das deutsche Wort zu sprechen kommt: Das deutsche Wort ist ja unser heiligstes Gut, ein Grenzstein Deutschlands, den kein schlauer Nachbar verrücken kann, ein Freiheitswecker, dem kein fremder Ge-