Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- Am Ende des Jahrhunderts
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 549 (sequence 7)
- Language
- German
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Arn^Lnde des Jahrhunderts. 649 einen Gesetzentwurf für, die Gleichberechtigung der Juden ein; er waren strenge gesetzliche Maßregeln gegen den Wucher und gegen die Auswüchse des Handels darin getroffen^ aber das Prinzip war, daß den Juden, die sich davon befreien wollten, die theilnehmen wollten an der Bildung der Zeit, die sich bethätigen wollten im Staat und im Gemeinwesen, daß ihnen freie Bahn gelassen werden sollte. Und es ist hier gerade charakteristisch, daß es die württembergischen Stände waren, die diesen Emanzipationsversuch der württembergischen Regierung vereitelten und das Gesetz derart verunstalteten, daß so gut wie nichts davon übrig blieb. Erst in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts zeigt sich für das Judenthum eine frischere Strömung, und zwar war es besonders bedeutsam, daß das Judenthum in der Literatur eine hervorragende Stellung einnahm. Es ist bekannt, in welchem Maße Heine und Börne das literarische Leben jener Zeit beherrschten. Freilich hatten sie sich äußerlich vom Judenthum losgesagt, doch fühlten sie sich demselben noch ganz zugehörig und haben niemals diese ihre Stellung verleugnet. Beide,. Heine und Börne, die Begründer des „jungen Deutschlands", hatten ihre Kampfstellung geschöpft und hergeleitet aus der Zwitterstellung, in der sie sich als Juden und als Deutsche befanden; sie mußten doppelt stark die geistige Unterdrückung empfinden, die damals auf den Verhältnissen noch lag, und die ganz besonders sie als Juden oder als Abkömmlinge des Judenthums traf. So sagt Heine mit Recht: „Daß ich die Waffen ergriff, dazu war ich gezwungen durch fremden Hohn, durch frechen Geburtsdünkel, in meiner Wiege lag schon meine Marschroute für das ganze Leben." Man hat dem „jungen Deutschland" Mangel an Nationalgefühl vorgeworfen, und in unserer Zeit ist seitens eines Treitschke und eines Stöcker — nicht zu reden von den untergeordneten Preßorganen — diese Deduktion wieder aufgewärmt worden, jene Polemik gegen die freiheitliche Richtung, die in der Literatur der dreißiger Jahre herrschte. Man hat sie verdächtigt, wie man ja auch in neuerer Zeit den Liberalismus verdächtigte, „als eine Machination der Juden", der vaterlandslosen Juden Börne und Heine, die keinen Sinn für deutsche Nationalität ge-