Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- Am Ende des Jahrhunderts
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 548 (sequence 6)
- Language
- German
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548 Im deutschen Reich. sehen pflegen, die Burschenschafter und Turner, waren, was die Judenfrage anbetrifft, durchaus beschränkt und von Vomrtheilen befangen. Wmn wir die Schriften und die Reden der Burschenschafter jener Tage lesen, so werden wir oft lebhaft an den Ton erinnert, der heute in den Reden des Vereins deutscher Studenten zu herrschen pflegt. „Judenthum und. Franzosenthum" waren die beiden Schlagworte, welche fortwährend gebraucht wurden. Auf dem Wartburgfest, wo ein großes Autodafä von ketzerischen Büchern veranstaltet wurde, war es auch ein Buch von Saul Ascher über die Teutomanie, das in's Feuer flog, und die gefammte Burschenschaft erhob den Ruf dabei: „Wehe über Juda!" Daß gerade diejenigen Juden davon tiefschmerzlich berührt waren, die damals bestrebt waren, über den engen Kreis hinauszuschreiten und der allgemeinen Bildung theilhaftig zu werden, das können wir wohl begreifen, und wir erklären uns auch daraus jene Verse von Heinrich Heine, die von den Gegnern so oft gegen seinen deutschnationalen Sinn angeführt werden: „Die altdeutschen Narren verdarben. Mir schon in der Burschenschaft die Lust An den schwarz-roth-goldenen Farben." Wie gesagt, wenn diese Gegner, diese Begeiferer Heine'S, mehr historischen Sinn und mehr historische Kenntniffe hätten, so würden sie richtiger und milder über seine Stellungnahme urtheilen. In den zwanziger Jahren des Jahrhunderts wurden in den einzelnen Landtagen verschiedene Versuche zur Emanzipation der Juden gemacht, und zwar war es besonders Süddeutschland, welches hier voranschritt. Der Abgeordnete Hans von Gagern trat in der Darmstädter Kammer für die Gleichberechtigung der Juden .auf, Freiherr von Cotta im Jahre 1828 in der württembergischen Kammer, und als die Gegner ihm damals entgegenhielten, welche verrotteten Zustände doch noch im Judenthum wären, und wie wenig sich das Judenthum im Lichte der neueren Zeit entwickelt hätte, da rief er ihnen das Wort entgegen: „Was aber jüdisches Pfaffenthum hier und da Falsches, Abergläubisches, Irriges u. s. w. aufgestellt haben mag, das geht uns so wenig an wie die gleichen Ausgeburten jeder Religion, die keiner fehlen." In Württemberg brachte das liberale Ministerium Schneidlin