Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- Am Ende des Jahrhunderts
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 547 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Am Ende der Jahrhunderts. 547 Man hat den Juden den Vorwurf gemacht, daß sie ihre Schuldigkeit in jenen Tagen des Freiheitskampfes nicht erfüllt hätten. Kein Vorwurf ist wohl ungerechtes als dieser. Selbst der Kanzler Hardenberg sagt in einem Briese aus jenen Tagen: Die Geschichte unseres letzten Krieges wider Frankreich hat erwiesen, daß die Juden des Staats, der sie in seinen Schooß genommen, durch treue Anhänglichkeit würdig geworden. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir haben auch unter ihnen Beispiele der wahren Heldenmuthes und der rühmlichsten Verachtung aller Kriegsgefahren aufzuweisen, sowie die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferungen jeder Art den Christen sich anschlossen. Ja! ein Mann,'der gewiß nicht als Freund der Juden gelten kann, Heinrich von Treitschke, gesteht in seiner deutschen Geschichte zu: „Die Söhne jener gebildeten Häuser, die sich schon ganz als Deutsche fühlten, thaten ehrenhaft ihre Soldatenpflicht." Und wo er über den theilweise unmilitärischen Sinn der Juden spricht, da hat er wenigstens soviel Gerechtigkeitsgefühl — es ist freilich im zweiten Bande seiner deutschen Geschichte; nachher hat sich dieses Gerechtigkeitsgefühl erheblich gemildert —, um zu sagen: „Was hätte sie auch zu den Fahnen locken sollen? Von den Offiziersstellen waren sie durch das Gesetz von 1812 ausgeschlossen, und da der König an dieser Vorschrift streng festhielt, so befand sich während der langen Friedensjahre nach den Freiheitskriegen nur ein einziger jüdischer Offizier in der Linien - Armee, der langjährige Lehrer an der Artillerieschule, Burg, ein musterhaft bescheidener und tüchtiger Soldat." Treitschke setzt dann selbst noch hinzu: „Die jungen Teutonen hatten natürlich kein Auge für die verwickelten historischen Thatsachen, welche den unmilitärischen Sinn der Juden nur zu leicht erklärten." Ja, die jungen Teutonen jener Tage, die wir gewöhnlich bei oberflächlicher Geschichtsbetrachtung in einem so idealen Lichte zu