Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1898)
- Article
- P. R. O'Wickedone [Rezension]
- Date
- 1898-10-01
- Page
- 540 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316637-2316647-2323070--04591-2323169- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
540 Im deutschen Reich. zwingen, (soll wohl heißen: beizubringen), statt es abzustoßen und emporzupeitschen"*), weiß Herr W. wohl selbst nicht. Ebenso steht mit den vielen vernünftigen Aeußerungen der Schrift in sonderbarem Widerspruch, was S. 85, 86 über den „religiösen Vorwurfs gesagt wird. W. meint, daß „die Juden einerseits das Christenthum untergraben, andrerseits an ihren reizlosen, abstoßenden Anbetungsformen (Oho! Man denke an Nahida Remy's und andere Schriften) festhalten.^ Kann man vielleicht einem einzigen unserer Geistlichen ein auf Untergrabung des Christenthums gerichtetes Wort Nachweisen? Wenn etwa hie und da ein einzelner, der nur durch Geburt dem Judenthum angehört, so taktlos ist, die religiösen Gefühle unserer Mitbürger zu verletzen, so steht er sicher dem Judenthume ganz ebenso fremd gegenüber wie Herr W. dem Christenthume. Dieser will nämlich, daß die Juden sich taufen lassen, dann aber „mit dem Beispiel geklärter Gottlosigkeit vorangehen". Er verabscheut „jenes Heuchlerthum, das man an Sonntagen mit Gebetbüchern ostentativ herumlaufen sieht". Vielleicht überlegt sich Herr W. einmal, daß es in Deutschland und Oesterreich schon zu viel Heuchelei giebt, so daß, wer es mit dem deutschen Volke gut meint, sie doch wahrlich nicht durch Aufforderung zu gesinnungslosen: Glaubenswechsel noch befördern sollte. Wer von uns freilich mit Herrn W. (S. 82) im „Lebensgenuß", der „nur im Wege des Mammons entwickelt werden" könne, die „einzig wahre Religion" erblickt, der wird sich in einer Zeit, in der wir verfolgt werden, wie in der heutigen, gewiß taufen lassen, dann aber erst recht weiter heucheln, um von seiner schmählichen That auch den höchstmöglichen Nutzen zu ziehen. Gott sei Dank ist solcher Mammondienst der großen Mehrzahl der Juden fremd. Es lohnt faktisch nicht, gegen solche niedrigen Anschauungen, die auch der Prüfung der Logik nicht Stand halten würden, anzukämpfen. Gewiß strebt jeder Mensch nach dem Glück, und dieses Glück wird er auch in einer pekuniär ergiebigen ehrlichen Erwerbsthätigkeit finden, *) Solchem speziellen Assimilierungsverein würde sich übrigens gewiß fein Fude von anständiger We|imuuu] anschließen und an anderen wäre doch für Herrn W. nichts gewonnen. Dagegen wirkt sicher jeder Verein zu wissenschaftlichen, künstlerischen, wohlthäügen oder selbst zu sportlichen oder geselligen Zwecken, der christliche und jüdische Mitglieder hat, assimilierend. Für höchst nützlich sind solche Vereine namentlich dann zu hatten, wenn geistig und sittlich hochstehende Leute, gleichviel welcher Konfession, darin die Führung haben. Trotz aller Verhetzung giebt es noch solche Vereine; ihre Förderung und Vermehrung hätte Herr W. naä) feinen früher gegebenen Ausführungen in erster.Linie befürworten sollen.