Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1898)
- Article
- P. R. O'Wickedone [Rezension]
- Date
- 1898-10-01
- Page
- 539 (sequence 5)
- Language
- German
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Bücherschau. 539 Vorwürfen" hindurchschimrnere, zu „dem Vorwurfe der UeberlegenheiL". Was nun diesen Vorwurf betrifft, der in der ThaL sehr verbreitet ist und z. B. auch die sogenannten „verschämten Antisemiten", welche die Unwahrhaftigkeit der antisemitischen Schlagworte kennen, davon abhält, dem Antisemitismus entgegenzutreten und bei Vergebung von Stellen auch dem einzelnen Juden gegenüber die Gebote der Gerechtigkeit zu erfüllen, so erklärt Herr W. mit Recht, daß jener Vorwurf sowohl unbegründet als auch einer Kulturnation im höchsten Grade unwürdig sei. „Denn eine solche Nation ist naturgemäß weniger kultivierten Völkerschaften gleichfalls überlegen, ist also demselben Vorwurfe ausgesetzt." Leider ist aber Herr W. von dieser von ihm mehrfach als „feig" bezeichneten Anschauung selbst nicht ganz frei geblieben. Sonst hätte er nicht in seinem Buch auch Maaßregeln anrathen können, die darauf hinausgehen, uns wirthschaftlich zu bekämpfen. „Jeder einzelne," sagt er geradezu, „betrachte sich als gewissenhaften Hüter des christlichen Nationalvermögens und gehe als solcher vor, ohne aber dem Juden jedes Existenzmittel zu versagen." Während er einerseits anräth, daß man jüdische Intelligenz auch in christlichen Betrieben verwerthe und die primitiven Berufe durch „Debestialisierung" ihrer Angehörigen auch für uns freimache, wogegen wir nichts einzuwenden haben, wünscht er doch auch Jnteressenverbände gegen uns. Auf sie würden aber sicher auch die Bezeichnungen „feige und verkehrt" zutreffen, welche W. auf den „sogenannten praktischen Antisemitismus" anwendet, der „in der intensiven Bekrittelung, Beschnüffelung, Kontourenriecherei, Ausschluß von den niedrigen Berufen und Verhöhnung der Armen zu Tage tritt". Auch jene Jnteressenverbände wären feig, weil sie „brutale Vergewaltigung an Stelle humaner Ueberwindung" setzen würden; auch sie wären verkehrt, weil sie das Objekt empor peitschen und durch die stetige Verhetzung und Aufstachelung ihrer Mitglieder „eine hygienische Schädigung derselben herbeiführen" würden. Gerade solche antisemitischen Jnteressenverbände können ihren antisemitischen Charakter auf die Dauer doch nur dadurch wahren, daß in ihnen stets auf's Neue gehetzt und gelogen wird, was W. doch nicht wünscht. Wäre es nicht besser, Vereine gegen jede Ausbeutung und Uebervortheilung zu schaffen und den Fleiß und die Begabung williger und anständiger Juden diesen Vereinen zu Gute kommen zu lassen? Wie sich vollends jene von W. gewünschten antisemitischen Jnteressenvereine zu den von ihm ebenfalls gewünschten „von humanen Grundsätzen erfüllten Assimilierungsvereinen" verhalten sollen, „die ihr Ziel darin sehen sollen, dem Judenthum die eigene Art friedlich aufzu- 42