Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1898)
- Article
- P. R. O'Wickedone [Rezension]
- Date
- 1898-10-01
- Page
- 537 (sequence 3)
- Language
- German
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Bücherschau. 587 einträglicheren Handel überzugehen. Will ein Jude mit literarischen Schöpfungen ankommen, so wird zehnmal so viel von ihm wie von dem „Arier" gefordert. Pocht er lange vergebens an die Pforten der Redaktionen, so gründet er vielleicht selbst ein einträgliches Blatt. Der kleine jüdische Krämer, der in irgend einem Kellergewölbe mit Nahrungsmitteln oder alten Kleidern handelt, wird von den Käufern gemieden, wenn er ihnen nicht ausgiebig Kredit gewährt; „dies giebt ihm den ersten Anstoß, das Erworbene mit eiserner Hand zusammenzuhalten, und es erwacht in ihm das instinktive Bewußtsein, daß er stets genügend Geld haben muß, um sich die Vergebung seiner Feinde zu erkaufen". W. verfolgt das „Emporpeitschen" so durch die verschiedensten Berufe. „Ueberall dasselbe Bild." Dazu kommt noch, daß die Juden, ja auch selbst Christen mit jüdischem Typus, viele ordinären oder banalen Vergnügungen vermeiden müssen, da sie sich bei ihnen leicht allerhand Unannehmlichkeiten durch ihre Nasenform zuziehen. Sie widmen sich daher um so eifriger ihrem Beruf oder wählen sich die edleren, Kopf und Herz erhebenden Vergnügungen. Endlich fällt für W. auch in's Gewicht, daß der Jude heute, wie er sich ausdrückt, „unter der schärfsten,, rücksichtslosesten und unverschämtesten Kritik steht". Die antijüdischen Zeitschriften wirken auf die Juden erziehlich, auf die Arier, „denen sie ein leider durchaus unwahres Spiegelbild der Vollendung vorlügen", verderblich. — Wo schließlich Juden durch die antisemitische Hetze sich gezwungen sehen, den Wanderstab zu ergreifen, weil sie ihren Erwerb daheim nicht mehr finden können, da glückt es ihnen vielfach, jenseits des Kanals oder jenseits dös Weltmeers zu vermögenden Leuten zu werden. Freilich beklagt der moralfreie Verfasser nicht den Schmerz dieser Personen, welche das Grab ihrer Eltern, theuere Familienangehörige und das trotz aller Verfolgungen geliebte Vaterland verlassen müssen; aber er ist doch verständig genug festzustellen, daß eine den Deutschen im Konkurrenzkämpfe auf dem Weltmärkte höchst nöthige Summe kaufmännischer Intelligenz durch die Verfolgungen einfach in's Lager der gefährlichsten Konkurrenten, der Angelsachsen, getrieben wird. Hebt doch an anderer Stelle W. mit Recht hervor, daß, wenn Deutschland jetzt als Handelsmacht England einholt, daran die Juden Hamburgs und anderer Handelsstädte einen entscheidenden Antheil haben. So sind es gerade die von W. mit umfassender Sachkenntniß und gesundem Blick herangezogenen wirthschaftlichen Verhältnisse, welche ihn einen Theil der Gefahren des Antisemitismus für die Wohlfahrt des deutschen Volkes erkennen lassen. Andererseits ist er doch weit von jenen Fanatikern der