Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1898-10-01 · Heft 10 (Oktober 1898) · p. 536

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 10 (Oktober 1898)
Article
P. R. O'Wickedone [Rezension]
Date
1898-10-01
Page
536 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316637-2316647-2323070--04587-2323165
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

636 3m deutschen Reich. der Autor mit dem sensationellen Titel „Emporgepeitscht" nicht begnügt, sondern einige noch sensationellere Kapitelüberschriften wie „Germania Gouvernante bei Israels?", „Die arisch-jüdische Straßenpantomime", „Kulturiens Verkrummnäselung" mit auf den Einband gesetzt hat. Trotzdem finden wir unS in. die seltsame Lage versetzt, in dem Buche eines Gegners so viele vernünftige neue Gedanken zu finden, daß wir dieser Broschüre/ wenn sie auch viel Bekämpfungswerthes enthält, doch weite Verbreitung wünschen können. Denn als Gegner müssen wir den Verfasser der vorliegenden Broschüre unbedingt bezeichnen, da er uns bekämpft zu sehen wünscht und von uns verlangt, daß wir unsere Religion charakterlos wegwerfen. Doch handelt es fich hier nicht etwa um eine der zahlreich genug erschienenen Enthüllungen über die moralische Minderwerthigkeit antisemitischer Führer durch einen etwas anständigeren Parteigenossen; ebensowenig etwa darum, daß ein uns abgeneigter Schriftsteller doch über die Art, wie man uns verfolgt, aus Gründen der Religion oder Moral den Stab bricht. Gerade diese Gesichtspunkte liegen Herrn W. ganz fern. „Wenn ein großes Volk . . . entschlossen ist, alles Fremde abzustoßen", dann können seiner Ansicht nach „die Mittel nicht gewählt und gewogen werden". „Mögen auch Unschuldige darunter leiden, es geht eben nicht anders." (S. 58.) Der Standpunkt des Herrn W. ist also, wie man „am Ende des Jahrhunderts" zu sagen pflegt, „jenseits von gut und böse", ein Standpunkt, den freilich alle wahrhaft Edlen und Denkenden für zwar jenseits von gut, aber so recht mitten in „böse" gelegen halten. Herr W. läßt also alle „Gemüthsduselei" und alle „sentimentalen Momente" bei Seite. Um so wichtiger ist es für uns, daß er doch bei seiner Untersuchung, ob der Antisemitismus, der politische und der gesellschaftliche, für das deutsche Volk im Reich und in Oesterreich von Nutzen oder Schaden ist, zu für den Antisemitismus geradezu vernichtenden Ergebnissen gelangt. Das „Erfurter Judenprogramm" der „Deutsch- Sozialen" verurtheilt er ebenso scharf wie den Antisemitismus der Straße, der sich in Beschnüfflung von Menschen und Firmenschildern, in verachtenden und wüthenden Geberden kundgiebt, sowie die thatsächliche Ausschließung der Juden von zahlreichen zum größten Theil gerade uneinträglichen Gewerben. Mit Recht hebt er hervor, daß gerade durch diese Umstände viele Juden dazu angetrieben werden, mit Aufbietung ihrer ganzen Kraft nach Reichthum und Ansehen zu streben, daß sie gewissermaßen „emporgepeitscht" werden. Mancher, der ein Handwerk erlernen wollte, sieht sich durch die Spöttereien und Bosheiten der Gesellen und Mitlehrlinge gezwungen, zu dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.