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Im deutschen Reich · 1898-10-01 · Heft 10 (Oktober 1898) · p. 529

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 10 (Oktober 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-10-01
Page
529 (sequence 3)
Language
German
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veremsnachrichten. 529 Kurfürstendamm marschierende Kompagnien Soldaten ein Lied gesungen hatten mit dem Refrain: „Wir brauchen -keine Juden im Lokal." Auf diese Beschwerde kam von dem General die in unserer vorigen Nummer mitgetheilte Erwiderung und bald darauf verlautete, offenbar als Folge unserer Beschwerde, daß durch Korpsbefehl den Soldaten das Singen unanständiger, das Ehrgefühl der Zuhörer verletzender Lieder bei Strafe verboten worden sei. Auch sonst hat sich die Thätigkeit des Vereins wirkungsvoll erwiesen, indem z. B. in vielen Fällen Glaubensgenoffen, die unverschuldet antisemitische Angriffe zu erdulden hatten, mit Rath und That unterstützt wurden, wobei die antisemitische Preffe dadurch theils Verurtheilungen erfuhr, theils zur Aufnahme von Berichtigungen veranlaßt worden ist. Der Rath des Vorstandes kam auch mehrfach denjenigen Glaubensgenossen zu statten, welche mit Recht eine Zurücksetzung darin erblickten, daß in ihrem Kreise seit Jahren Juden nicht mehr zu Schöffen und Geschworenen berufen wurden. Immer bewährte es sich: Sich regen, bringt Segen; sich wehren, bringt Ehren! Der Verein hat sich deshalb auch vor den Reichstagswahlen energisch dagegen geäußert, daß selbst jüdische Wähler aus unangebrachter Furcht vor antisemitischen Quertreibereien Bedenken gegen die Aufstellung einzelner geeigneter jüdischer Kandidaten durch die freisinnigen Parteileitungen laut werden ließen. Der Ausfall der Wahlen hat zwar unseren Wünschen nicht vollständig entsprochen, aber doch immerhin das Ergebniß geliefert, daß einige Größen der deutsch-sozialen Reformpartei von der Volksvertretung ferngehalten wurden. Bei den bevorstehenden Landtagswahlen wird hoffentlich die freisinnige Parteileitung ihre Prinzipientreue dadurch bethätigen, daß sie jüdische Kandidaturen, die sonst geeignet sind, nicht verhindere. Der Redner verwies schließlich darauf, daß selbst in Frankreich, dem Lande, in welchem der Antisemitismus seine schlimmsten Blüthen treibe, in neuester Zeit eine Wendung zum Besseren eingetreten sei, welche auch dort den endlichen Sieg des Rechts und der Gerechtigkeit erhoffen laffe. Die gute Sache werde überall siegen und um so früher, je fester und einmüthiger die Juden für ihre bedrohten Rechte eintreten. Der Vorsitzende schloß unter lebhaftem Beifall mit einer eindringlichen Mahnung zum Anschluß an den Central-Verein, damit derselbe als eine Vertretung aller deutschen Juden die Möglichkeit wirksamster Thätigkeit erhalte. Nach einer kurzen Pause wurde die Diskussion eröffnet, bei welcher zunächst das Wort Herr I. Weinberg erhielt, der zum zahlreichen Besuche einer Urwählerversammlung mit der Versicherung aufforderte, daß die politische Parteileitung sich der Wahl eines Juden

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