Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-10-01
- Page
- 530 (sequence 4)
- Language
- German
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530 3m deutschen Reich. in das Abgeordnetenhaus nicht widersetzen werde, sobald eine Mehrheit der Urwähler ihn nominiere. Sodann wies Herr Dr. Klee in zündenden Worten auf die Charakterlosigkeit derjenigen Juden hin, welche ohne Ueberzeugung und nur aus äußeren Gründen ihren Glauben wechseln und in der jetzigen Kampfzeit in feiger Weise fahnenflüchtig werden. Der Redner verlas zur Kennzeichnung jener Abtrünnigen die scharfen Sätze, durch welche s. Z. der kürzlich in Dresden verstorbene Rechtsanwalt Emil Lehmann in seinem „Offenen Brief an den Professor Paulsen" darlegte, daß ein Uebertritt ohne Ueberzeugung frivol, heuchlerisch, feig, entwürdigend, meineidig, pietätlos und geschichtswidrig sei. Herr Schriftsteller W o h l b e r g meinte, daß solche Deserteure durch die Mißachtung ihrer neuen Glaubensgenossen die verdiente Strafe erführen. Er betonte hierauf, daß, falls der neue Landtag sich mit der Revision des Judengesetzes von 1847 beschäftigen sollte, sich voraussichtlich viel Böswilligkeit und bodenlose Unkenntniß jüdischer Verhältnisse zeigen würde, daß es deshalb schmachvoll wäre, wenn dann keinem einzigen Juden Gelegenheit geboten sei, in dieser Sache mitzuberathen. Herr Apotheker Loewenstein nannte als geeignete jüdische Landtagskandidaten die Herren Justizrath Friedemann und Stadtrath Weigert. Eine Aeußerung des Herrn Casparius veranlaßte den Herrn Vorsitzenden zu der Erklärung, daß politische Parteiangelegenheiten im Central - Verein nicht diskutiert werden dürfen; in diesem Verein sei nur die Mahnung am Platze, daß kein geeigneter Kandidat von der Bewerbung wegen seines jüdischen Bekenntnisses ausgeschloflen sein sollte, ferner daß jeder jüdische Wähler seiner politischen Ueberzeugung folgend seiner Wahlpflicht genüge. Der Central-Verein nominiere keinen Kandidaten; er erwarte aber von seinen Mitgliedern, daß jedes derselben seine Schuldigkeit thun werde. Herr Redakteur Klausner meinte, der Freisinn sei es sich selbst schuldig, jüdische Kandidaten zuzulasien, nicht den Juden, sondern den freiheitlichen Grundsätzen zu Liebe. Die Juden im Parlamente hätten ihrer Partei und dem Vaterlande zur Zierde gereicht. Im Central-Verein sei das Bewußtsein zu kräftigen, daß der starke jüdische Bruchtheil der Bevölkerung ein Anrecht auf parlamentarische Vertretung habe; alles Uebrige gehöre in die Bezirksvereinsversammlung. Nachdem Herr G l o g o w s ki sich gegen alle politische Erörterungen im Verein ausgesprochen hatte, konstatierte Herr Rechtsanwalt Dr. H o r w i tz in dem Schlußworte, daß der stattgehabte Meinungsaustausch keine wesentlichen Meinungsverschiedenheiten ergeben habe und daß er, als die Diskussion das politische Gebiet zu streifen drohte, dies erfolgreich verhindert zu haben glaube.