Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-10-01
- Page
- 514 (sequence 9)
- Language
- German
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514 Im deutschen Reich. sei der Antisemitismus auch im besten Sinne international: er verbinde die Völker gegen das Judenthum und lehre sie, ihre untergeordneten Streitigkeiten bei Seite zu setzen und den Bestrebungen der jüdischen haute finance, welche den meisten Gewinn aus den männermordenden Kriegen zögen und deshalb in allen Staaten die Kriegslust schürten. Widerstand entgegenzusetzen. Die Judenfrage werde wohl in Frankreich am ehesten einer Lösung zugeführt, wie Frankreich ja auch das Land sei, welches die Juden am frühesten emanzipiert habe. Die Bewegung gegen dieselben sei keine klerikale, sondern die Lösung einer wirthschaftlichen und Rassenfrage. Neben Drumont und Cassagnac kämpften auch der „rothe Marquis" Nochefort und so und so viele andere Radikale und Sozialisten in den antisemitischen Reihen. Das Freimaurerthum, das die festeste Stütze des Judenthums sei, habe namentlich in protestantischen Kreisen um sich gegriffen und diese veranlaßt, für die Dreysus-Bande einzutretev. Das habe einen gewissen Gegensatz zwischen ihnen und den Katholiken hervorgerufen, und jetzt mache die Judenpresse des In- und Auslandes aus dem Kampfe gegen die Allianz israelite, gegen die Judenherrschaft einen Kampf des Jesuitismus, des Säbels und Weihwedels gegen „Andersgläubige", aus einem Rassenkampf einen Religionskrieg! Der Beifall, den die Münchener Antisemiten diesen Ausführungen zollten, charakterisiert die „nationale Gesinnung", mit welcher sie so gern prunken. Bei der Judenhetze ist ihnen sogar der „Erbfeind" Deutschlands ein willkommener Bundesgenosse! Es war zu erwarten, daß der Führer der bayerischen Reform- Partei Ludwig W e n g g bei der Feier der 18 jährigen Wiederkehr des Gründungstages der antisemitischen Bewegung in Oesterreich nicht fehlen werde. Er widmete seinen österreichischen Gesinnungsgenossen, die in Anwesenheit der beiden Wiener Bürgermeister Dr. Lueger und Dr. Neumayer das Fest in Weyl's Dreherpark begingen, ein „Glückauf für die Zukunft und Frischauf zum fröhlichen weiteren Kampfe!" Einer solchen Ermunterung bedürfen die Wiener Antisemiten kaum, die nach dem Grundsatz „Dem Sieger gehört die Beute!" auf dem beschrittenen Pfade der Willkür rücksichtslos vorwärts schreiten und jetzt auch begonnen haben, ein neues Ghetto in den Volksschulen einzurichten. Da es nicht anging, konfessionelle Schulen einzuführen, versuchte es der von den Antisemiten beherrschte Wiener Bezirksschulrath, „konfessionelle Klassen" einzurichten. Er wies nämlich die Schulleitungen an, „bei Vertheilung der Kinder in die Klassen und Abtheilungen auch