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Im deutschen Reich · 1898-10-01 · Heft 10 (Oktober 1898) · p. 513

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 10 (Oktober 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-10-01
Page
513 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Umschau. 518 antisemitische „Deutsche Tageszeitung", daß der Einweihung der Straßburger Synagoge der Statthalter Fürst Hohenlohe, der Staatssekretär von Puttkamer, die UnLerstaatssekretäre von Schraut und Dr. Petri, der Gouverneur General der Infanterie von Jena, Magistrat und Stadtverordnete mit dem Bürgermeister Back an der Spitze und zahlreiche andere Notabilitäten beiwohnten. Das erwähnte Blatt schrieb: „Wenn man sich hierzu erinnert, daß die christliche Stadt Straßburg der betreffenden jüdischen Kirchengemeinde zum Ausbau ihrer neuen Synagoge rund 300 000 Mk. geschenkt hat, so muß man gewiß zugeben, daß im Neichsland ein unerhörtes Wohlwollen für die Juden geübt und kultiviert wird." Die Theilnahme verschiedener Landräthe an anderen Synagogen-Einweihungen, die kürzlich in den Provinzen Schlesien und Hannover stattfanden, hat aber hinreichend bewiesen, daß die königlichen preußischen Beamten durchaus nicht durch antisemitische Hohnreden sich von der Theilnahme an solchen Feierlichkeiten zurückschrecken lassen. Die auf dem antisemitischen' Parteitage zu Kassel versuchte „Schwenkung nach rechts" wird daran nichts ändern, weil die Wahlagitationen der deutsch-sozialen Reformpartei den maßgebenden Kreisen klar gemacht haben, daß die Leiter dieser Partei recht unsichere Kantonisten sind, auf deren zeitweilige gouvernementale Anwandlungen so wenig zu geben ist wie auf ihre oft genug betheuerte deutsch-nationale Gesinnung. Daß diese antisemitischen Necken, welche die ihnen aus guten Gründen abhold gewordenen Politiker „schwankende Gestalten" nennen, selbst heute für Sozialreformen, morgen für das Zünftlerthum, heute für freiheitliche Einrichtungen, morgen für Preßknebelung und Prügelstrafe, heute für Sparsamkeit in allen Verwaltungszweigen, morgen für große Heeresverstärkungen sich begeistern, die ihnen als Aushängeschild dienende deutsch-nationale Flagge sofort streichen, wo ein fremdländischer Judenfeind auf der Bildfläche erscheint, ist eine bekannte Thalsache. Den Münchener Antisemiten bereitete es kürzlich ein ganz besonderes Vergnügen, den Sekretär der bekanntlich durchaus „deutschfeindlichen französischen Anlisemitenliga" Gutton aus Lyon in ihrer Mitte zu begrüßen und sich von ihm über den Fall Dreyfus und die Judenfrage in Frankreich belehren zu lassen. Mr. Gutton hob dankend hervor, daß er bei seinen wiederholten Reisen in Deutschland überall die freundlichste Aufnahme gefunden habe. Der Antisemitismus sei in allen Ländern, wo er auftrete, stramm national, er führe die Völker wieder auf sich selbst zurück und suche ihre besten Eigenschaften, die in fremder Urnstrickung nahezu erstickt seien, wieder zu erwecken. Und doch

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