Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-10-01
- Page
- 512 (sequence 7)
- Language
- German
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512 3m deutschen Reich. semitischen Lager war der vor dem Parteitage aufgetauchte Vorschlag, in Kassel zu beantragen, die Bezeichnung „deutsch-sozial" fallen zu lassen und die Firma in „Deutsche Neformpartei" umzuändern. Da der Referent nicht mehr anwesend war, entfiel dieser Punkt der Tagesordnung. Die sozialistischen Forderungen gelten diesen Kreisen aber jedenfalls als unnöthiger Ballast; letztere erwärmen sich dagegen für die Verschärfungen der Strafbestimmungen gegen Streikhetzer, für die Prügelstrafe und Zensur und eine wesentliche Heeresverstärkung. Derartige Anregungen verhinderten zwar die „Deutsche Wacht" nicht, im voraus zu erklären: „Von einer Rechtsschwenkung kann für den Fall der Namensänderung auch nicht die Rede sein", aber diese Schwenkung dürfte ganz unvermeidlich sein, weil diese Reformer den Boden unter sich schwanken fühlen, seit die bürgerlichen Kreise sich durch ihre utopistischen Phantasien nicht mehr über den durchaus reaktionären Charakter ihrer vermeintlichen Fürsprecher täuschen lassen, die Arm in Arm mit dem agrarischen „Bund der Landwirthe" den letzten Ziest des Jahrhunderts mit mittelalterlichen Waffen in die Schranken fordern. Die Rolle, welche der „Bund der Landwirthe" bei den Landtagswahlen spielt, zeigt, daß sich derselbe jetzt völlig im antisemitischen Fahrwasser befindet und sich ebenso wenig um konservative wie um landwirthschaftliche Wünsche kümmert, wenn er aufgefordert wird, den Judenfeinden Heeresfolge zu leisten. In Hersfeld-Rothenburg will er den Antisemiten Ludwig Werner, einen Redakteur und vormaligen Kaufmann, unterstützen, um den bisherigen konservativen Abgeordneten, den Landwirth Isenburg, zu verdrängen. In Homberg- Ziegenhain bereitet der Bund der Landwirthe einen Vorstoß gegen die Konservativen vor durch Befürwortung des Abg. Liebermann von Sonnenburg, eines Nicht - Landwirthes und Schriftstellers, gegen den seitherigen konservativen Abg. von Baumbach. Ob solche Taktik den Aufgaben des Bundes der Landwirthe entspricht, dürfte Vielen sehr zweifelhaft scheinen. Ein harmloses kindliches Vergnügen gewährte es den mit den Agrariern verbrüderten Reformparteilern, daß bei der Einweihung der fünften Synagoge Berlins von den königlichen Behörden nur das Polizeipräsidium vertreten war, daß die übrigen eingeladenen Negierungsvertreter sich aber mit Behinderung entschuldigt hatten. Daß dieses Fernbleiben durch das Wehgeschrei der Antisemiten über die Theilnahme verschiedener Behörden an anderen Synagogen - Einweihungen veranlaßt worden sei, ist kaum anzunehmen. Als eine Verhätschelung des Judenthums bezeichnete es die agrarisch-