Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-10-01
- Page
- 511 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 511 betrachtete, die Führer der Katholiken als „Vertreter römischhierarchischer Gelüste" bezeichnet und daß die Zimmermann'sche „Deutsche Wacht", die „deutschfühlenden Katholiken" auffordert, „zu erkennen, was sie von dieser Centrumspartei und dieser Centrumspresse zu erwarten haben". Das Dortmunder Antisemiten- Llatt „Volksftühling" knüpfte an einen selbstverständlich erfundenen Bericht, wonach das Haus Rothschild dem Papste drei Millionen zur Verfügung gestellt haben sollte, die Bemerkung: „Daß auch hinter der Leitung der schwarzenJnternationale das Oberkommando der Alliance Isra&ite auftaucht, registrieren wir mit großem Interesse." Hoffentlich belehren derartige Kundgebungen die Führer aller derjenigen Parteien, welche so oft den Antisemiten Vorschub leisteten, welchen Dank sie von Klienten zu erwarten haben, die jeden begeifern, der sich von ihnen nicht terrorisieren läßt. Das Gefühl, daß es ihnen nichts oder doch wenig mehr nützt, sich dort aufzudrängen, wo man sie nicht wünscht, beherrscht jetzt thatsächlich die leitenden Kreise der Antisemiten, ebenso wie der Gedanke, daß sie nicht länger im Stande sein werden, sich mit Erfolg als „die alleinigen Vertreter des Mittelstandes" auszugeben. Mit Recht bezweifelte aber die „Kons. Korrespondenz", daß sich die deutsch - soziale Reformpartei auf dem Kasseler Parteitage über den „Radau mit verbrauchten Schlagworten" zu erheben vermögen werde. Der' Verlauf dieses fünften Parteitages der antisemitischen Reformer, zu welchem sich am 9. Oktober nur 101 stimmberechtigte Vertreter in Kassel eingefunden hatten, kann die Führer der Partei ebenso wenig befriedigt haben wie der Kassenbestand von 185 Mk. Der bei der Berathung über die Mittel st andsfrage eingebrachte „Antrag Sünderhauf", der entschiedenere Bekämpfung der Privat-, Spar¬ und Rabattvereine, der Konsumvereine, der Ramschbazare, der Frauenarbeit im Komptoir und Bureau verlangte, veranlaßte den Abg. Liebermann alsbald zu der folgenden Erklärung: „Um einen solchen Antrag im Reichstage durchzubringen, würden nicht 10 sondern 70 Abgeordnete nothwendig sein. Man möge diese erst in den Reichstag schicken und dann den Antrag wiederholen." Die von Liebermann vorgeschlagene Resolution, welche eine gesetzgeberische Organisation des Mittelstandes, gerechte Besteuerung, Beseitigung der schrankenlosen Gewerbefreiheit und Erhaltung des Konkurrenzkampfes unter Abwehr unsittlicher Grundsätze verlangt, wurde schließlich von der Mehrheit angenommen. Zahlreiche andere Punkte der Tagesordnung mußten wegen früher Abreise der Delegirten bis zum nächsten Parteitage zurückgestellt werden. Bezeichnend für die Stimmung im anti-