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Im deutschen Reich · 1898-10-01 · Heft 10 (Oktober 1898) · p. 510

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 10 (Oktober 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-10-01
Page
510 (sequence 5)
Language
German
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610 3m deutschen Reich. da aufzudrängen, wo man unS nicht wünscht", so wird daS wohl Niemand ernst nehmen, der die Kandidaten kennt, welchen die Berliner- Antisemiten ihre Unterstützung leihen. Dafür giebt die nachstehende, in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" veröffentlichte Richtigstellung vollgültigen Beweis: „In einer konservativen Wählerversammlung hat der Kandidat der „Berliner Bewegung", Rechtsanwalt Ulrich, als Beweis für die „Herrschaft des internationalen Judenthums" folgende Behauptungen ausgestellt: „Thatsächlich befinden sich an einzelnen Volksschulen in Berlin 4—6 jüdische Lehrer, die z. B. auch Geschichte lehren. In einem Fall hat ein Jude sogar vertretungsweise evangelischen Religionsunterricht ertheilt." Darob natürlich tiefe Entrüstung unter den frommen Wählern. Wir haben uns nun die Mühe nicht verdrießen lassen, diese Behauptungen von autoritativer Seite prüfen zu lassen, da sie sonst immer wieder kolportiert werden, und erhalten darüber folgende bestimmte Erklärung: 1. Es ist nicht wahr, daß an einzelnen Berliner Volksschulen 4—6 jüdische Lehrer sich befinden. An einer einzigen Schule, in welcher mehr als der vierte Theil sämmtlicher Schülerinnen Jüdinnen find, befinden fich unter 15 Lehrkräften 3 jüdische, also nicht einmal so viel, als nach dem Verhältnisse der jüdischen Schülerinnen zur Gesammtzahl sein müßten. Sonst befinden sich an keiner Berliner Volksschule mehr als 2 jüdische Lehrkräfte, an den meisten gar keine. 2. Dafi jüdische Lehrer resp. Lehrerinnen auch Geschichte lehren, dagegen ließe fich a priori ebenso wenig einwenden wie dagegen, daß sie z. B. Rechenunterricht ertheilen. Dem Drängen unserer Gegner aber ist es gelungen, zu erreichen, daß auf Veranlassung des Provinzial- Schulkollegiums den jüdischen Lehrern nach und nach der Geschichtsunterricht entzogen worden ist, und daß von sämmtlichen jüdischen Lehrkräften jetzt nur noch 1 oder 2 Geschichtsunterricht ertheilen. 3. Daß ein jüdischer Lehrer vertretungsweise evangelischen Religionsunterricht ertheilt hat, ist unwahr. Es kann nur der Fall gemeint sein, den Stöcker vor Jahren zur Sprache gebracht hat, daß eine junge Lehrerin, der Anweisung des Rektors folgend, vertretungsweise ein- oder zweimal biblische Geschichte erzählt hat. Hierfür ist seinerzeit der betreffende Rektor auch von der städtischen Schulbehörde rektifiziert worden." Offenbar rechnet die antisemitische Presse auch das C e n t r u m zu den „schwankenden Gestalten". Anders läßt es sich kaum erklären, daß die „Staatsbürger-Zeitung", die sonst die „Germania" und andere Centrumsblätter gewissermaßen als Bundesgenossen

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