Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-10-01
- Page
- 509 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 509 sein. AuL einer Aeußerung der „Konservativen Korrespondenz" geht deutlich hervor, daß die Hintermänner dieses Organs dem Anhang Stöcker's „nur egoistische Motive" zutrauen. In dem betreffenden Artikel hieß es kürzlich: „Es scheint der christlich-sozialen Partei nicht ernst mit der Wiederaufnahme der „ B e r l i n e r Bewegung" zu sein, denn sonst wäre der Beschluß der kürzlich versammelten „Obmänner" jener Richtung, bei den bevorstehenden Landtagswahlen den Berliner Parteimitgliedern „anheimzugeben, nach bestem Ermessen zu handeln", unverständlich." Der Anhang Stöckers hat, diesen Wink verstehend, inzwischen eine Schwenkung zu Gunsten der eongenialen Kandidaten Pretzel und Ulrich vollzogen. Der im dritten Berliner Wahlkreise ausgestellten Behauptung, daß wahrscheinlich diese antisemitischen Kandidaten auch Unterstützung von nationalliberaler Seite erhalten würden, trat die „Voss. Ztg." mit der Aeußerung entgegen: „Wir sind gewiß, daß diejenigen Wähler, die sich nationalliberal nennen und den Herren Pretzel und Ulrich ihre Stimme geben, höchstens verkleidete Antisemiten sind." Die „Voss. Ztg." meldete bald darauf: „Dem Vernehmen nach hat der-Parteirath der Nationalliberalen für Berlin ein Wahlbündniß mit den "Konservativen einstimmig abzulehnen beschlossen. Hoffentlich treten alle nationalliberalen Wähler in Berlin einmüthig für die freisinnigen Kandidaten ein, zu deren Bekämpfung im dritten Wahlkreise von den waschechten Antisemiten Ulrich und Pretzel Tag für Tag Versammlungen abgehalten werden." Der über diese Ablehnung selbstverständlich tiefempörte Bachler'sche Antisemiten-Moniteur machte seinem Grimme durch nachstehende Aeußerung Luft: „Hieraus muß man folgern, daß der Parteirath der Berliner Konservativen thatsächlich den Nationalliberalen, obwohl sie völlig bedeutungslos und längst als ein Anhängsel des Judenfreisinns erkannt sind, ein Wahlkartell angeboten hat. Das würde von einer Unkenntniß der Verhältnisse innerhalb der Berliner Bewegung zeugen, die wir in der That nicht zu begreifen vermögen. Es ist ein wahres Glück, daß die Nationalliberalen dieses Angebot zurückgewiesen haben." Die „Staatsbürger Ztg." forderte ferner, daß der „Berliner Bewegung" jene „schwankenden Gestalten" fern bleiben, „die im entscheidenden Augenblick, statt zu sammeln, zur Scheidung rufen." Das Antisemiten-Blatt wandte sich besonders gegen den „Partei-Konservatismus". Wenn gleichzeitig aber die Drohung erfolgte, den Berliner konservativen Kandidaten die Unterstützung zu entziehen und die drollige Phrase losgelassen wurde: „Unsere Gesinnung ist nicht jüdisch genug, um uns