Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-10-01
- Page
- 507 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 507 Dichtungen deS spanischen Juden Jehuda Halevi beschäftigt hat, auf welche sie durch Heiners Lobpreisungen aufmerksam geworden war. Profesior Dr. Förster schrieb am 2. Oktober in der antisemitischen „Deutschen Reform", die Kaiserin Elisabeth sei e x c e n t r i s ch gewesen, und fügte hinzu: „Nennen wir diese Form der Abweichung von dem geistig gesunden Zustande „ H e i n i a s i 8 Sie durchseucht jetzt breite Kreise, zumeist die da oben. Kronprinz Rudolf war von ihr ergriffen, als er die spielende Schwärmerei in die That umsetzte. Und Luccheni ist nur von der gröbsten Form der Krankheit befallen; bei ihm nimmt sie den widerwärtig proletarischen, nicht süßlich durchdufteten Anstrich an. Auch er ist „exeentrisch"." Wenige Tage vorher erinnerte das Organ Liebermann von Sonnenberg's, die „Antis. Korrespondenz", daran, daß die Kaiserin Elisabeth einst die ungarische Sprache bei eineiü Juden erlernte, in Bad Nauheim den jüdischen Arzt Dr. Schott konsultierte und ihren letzten Besuch der Baronin Rothschild abstattete. An diese Thatsache knüpfte das Antisemiten-Organ die schnöde Bemerkung: „Wie Juda es verstanden hat, unmittelbar nach ihrer Vermählung mit Kaiser Franz Joseph einen der Ihrigen m die nächste Umgebung der so schmählich Ermordeten zu bringen, so war dies auch kurz vor ihrem Tode der Fall." Jedenfalls widmete „Juda" der von den Antisemiten noch im Tode verhöhnten edlen Frau die innigste Dankbarkeit. Der Dulderin erwies die israelitische Kultusgemeinde Wien die höchste Ehre, welche Juden Todten zollen können, das A n z ü n d e n eines Seelenlichtes an heiliger Stätte während der ersten 30 Trauertage. Ein ewiges Licht wird künftig auch das Bild der Kaiserin Elisabeth verklären, die in dunkeln Zeiten ein leuchtendes Beispiel vorurtheilsfreier Gesinnung gab; es soll fortftrahlen, auch wenn die allgemeine Aufklärung die nächtlichen Gebilde, die heute noch den Horizont verdüstern, längst verdrängt haben wird! Noch scheint diese Zeit freilich fern zu sein, noch durfte ein Mann wie der urplötzlich wieder aus dem Dunkel der Vergessenheit aufgetauchte antisemitische frühere Reichstagsabgeordnete Wilhelm Pickenbach es unternehmen, in einer am 2. Oktober in Berlin abgehaltenen Versammlung des „Deutschen Antisemitenbundes" in einem Dortrage über das Thema: „Wer sind die wahren Attentäter?" die verleumderische Behauptung zu wiederholen, daß das Judenthum der Züchter aller Revolutions-Bestrebungen gewesen und die Nährmutter des Anarchismus sei, dabei auch das längst überzeugend widerlegte kindische Märchen aufzutischen, daß Crömieux 1870 einen Preis auf das Haupt Kaiser Wilhelms I.