Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 9 (September 1898)
- Article
- Berlin
- Date
- 1898-09-01
- Page
- 457 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 457 trägem die Thorarollen in daS Heiligthum gebracht, und als der Gesang der Gemeinde: „Wie schön sind deine Zelte", verrauscht war, folgten die Zeremonien des AnzündenS der ewigen Lampe, des OeffnenS und Schließender heiligen Lade. Die Predigt hielt Rabbiner Dr. Maybaum unter Anlehnung an den Psalm 24: „Gottes ist die Welt und was sie füllet, . das Erdenrund und seine Bewohner . . ." Die bedeutende, von dem Geiste der Liebe und Milde getragene Kanzelrede gipfelte in der Forderung, daß die Religion mit ihren Prinzipien der Wahrheit und Gerechtigkeit das Leben durchdringe und die Handlungen des Einzelnen und der Gesammtheit bestimme. ES folgte der Gesang der Gemeinde: „Raget empor, ihr Thore, erhebt euch, ihr ewigen Pforten, daß einziehe der König der Ehren!" Das Weihegebet des Geistlichen schloß mit der Fürbitte für das kaiserliche Haus, das deutsche Vaterland und die Vaterstadt Berlin. Mit mächtigen, jubelnden Tönen erscholl der Schlußgesang: „Hallelujah! Lobet Gott in seinem Heiligthume. .", begleitet von rauschendem Orgelton und feierlichen Posaunenklängen." Am 4. September' verschied im 76. Lebensjahre der Leiter der zweiten Religionsschule der jüdischen Gemeinde, Dr. Samuel A p o l a n t, der mehr als 40 Jahre an der jüdischen Mädchenschule und mehr als 20 Jahre an der ersten Religionsschule die Jugend mit unseren Glaubenslehren bekannt gemacht und auch als Religionslehrer an dem Sophiengymnasium und der Sophienschule im Nebenamte gewirkt hat. Auch als Neligionslehrer und Prediger an den Baruch-Auerbach'schen Waisenanstalten ist der Dahingeschiedene in segensreicher Weise thätig gewesen. Im „Deutschen General-Anzeiger" erschien am 23. Februar d. I. unter der Überschrift: „Ostern naht, die Juden zapfen w i e d e r B l u t a b" ein Artikel, in welchem unter Hinweis auf einen Vorfall, der sich in Schlesien abgespielt haben sollte, das älte Ritualmord-Märchen ausgefrischt wurde. Wenige Tage darauf brachten Berliner Blätter die völlig unzutreffende Notiz, daß der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wegen des erwähnten Artikels Strafanzeige zu erstatten beabsichtige. Auch der „Vorwärts" verbreitete, diese Mittheilung, fügte aber hinzu, daß die Warnung des „Deutschen General-Anzeigers" vor den angeblichen Ritualmorden „blödsinnig" sei. Wegen dieses Ausdrucks hatten Verleger und Redakteur des „D. G.-A." gegen den verantwortlichen Redakteur des „Vorwärts", August Jacobey, die Privatklage angestrengt. Am 29. August fand vor dem Schöffengericht unter Vorsitz des Amtsrichters Schlesier die Verhandlung statt. Rechtsanwalt Ulrich ver- 35'