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Im deutschen Reich · 1898-09-01 · Heft 9 (September 1898) · p. 453

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 9 (September 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-09-01
Page
453 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Umschau. 453 für die ungarische Regierung günstiger sein würde als für das Ministerium Thun und für die österreichischen Steuerzahler. So betrübend dies füralle Deutschen in Oesterreich sein mag, dürste dadurch sowie durch die finanziellen Mißerfolge der dortigen antisemitischen Stadtverwaltungen die Bevölkerung schließlich doch darüber klar werden, wohin Rassen-, Klassen- und Neligionshaß führen und wie sie das friedliche Zusammenwirken aller Volkskreise untergraben. Zunächst werden die österreichischen antisemitischen Blätter selbstverständlich über die österreichischen Minister zetern, die ihre wüste Agitation doch erst in die Sackgasse getrieben hat. Im Verdrehen der Dinge ist besonders das „Deutsche Volksblatt" Vergani's groß. Treffend bemerkte dieser Tage die „Wiener Sonn« und Montags-Zeitung": „Anläßlich der Exceffe in Galizien konnte man im Vergani-Blatte die Phasen verfolgen: Erstens sind die Juden schuld daran, daß die braven antisemitischen Bauern sie ausraubten. Zweitens sind es die Juden selbst, die ihre Häuser plünderten und in Brand setzten, um die Schuld sür diese Schandthaten den Antisemiten in die Schuhe zu schieben. Drittens aber sind die antisemitischen Bauern sehr brave Leute, denn sie haben noch keine einzige Trafik geplündert. Mansieht, daß Vergani nur darauf besteht, die Juden für alles verantwortlich zu machen, gleichviel ob sie selbst als Räuber und Brandstifter auftraten oder ob diese Rolle den Bauern zu Theil wurde. Nun scheint es, daß das „Deutsche Volksblatt" sich endgiltig der Ansicht zuneigen würde, die Juden selbst seien es gewesen, welche die Exceffe inscenierten, die eigenen Geschäfte demolierten und ihre armselige Habe vernichteten. Es fehlt nur noch, daß Vergani behauptet, die Juden seien es, die keine Geldopfer scheuen, damit das „Deutsche Volksblatt" nur recht gehässige Angriffe gegen sie richtet." Das Lemberger Antisemitenblatt „Dziennik Polski" war wenigstens so ehrlich einzugestehen, daß es Jrrthümliches berichtet habe, als es die Ermordung der jüdischen Schänkerfamilie Haber in Przemlyslany dem jüdischen Konkurrenten Haber's, Mayer Korn, zur Last legte. Das Lemberger Blatt berichtete: „Dem von dem Wachtmeister Luczynski verhafteten Korn gelang es nachzuweisen, daß er zur kritischen Zeit in Gliniany Salz einkaufte und erst von dort zurückkehrte, als das Verbrechen geschehen war. Die an seiner Kleidung gefundenen Blutspuren entstanden dadurch, daß er an die Mordstätte stürzte und an der noch athmenden Sura Verschlußer Rettungsversuche anstellte, durch welche dieselbe am Leben erhalten wurde. Wäre er der Verbrecher, so würde er die Sura nicht gerettet haben, weil er befürchten mußte, von ihr, sobald sie zum Bewußtsein kam, als der Mörder verrathen zu werden".

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