Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 9 (September 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-09-01
- Page
- 451 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 45V zu Knechten machen, sondern unter Vernichtung der allgemeinen Bürgerfreiheit wieder mittelalterliche Zustände herbeiführen wollen! Die letzten Reichstagswahlen haben gezeigt, daß diese Erkenntniß sich Bahn bricht; trotz der wüstesten Agitatton haben die Antisemiten nicht nur nicht die von ihnen mit größter Siegeszuversicht im Voraus angekündigten Erfolge errungen, sondern empfindliche Niederlagen erlitten. Die Zahl ihrer Mandate schmolz zusammen und die nach der Wahl ausgestellte Behauptung, daß die für die antisemitischen Kandidaten abgegebenen Stimmen sich trotzdem vermehrt hätten, erwies sich als falsch. Nach der amtlichen Zusammenstellung im Bureau des Reichstages sielen auf die deutsch-konservative Fraktion 872 973 (1693: 1 038 353), auf die deutsch-soziale Reformpartei 222 447 (1893: 263 861), auf Antisemiten, die nicht der Reformpartei angehören, 19 599, auf den Bund der Landwirthe 121 376 Stimmen. Die deutsch-soziale Reformpartei hat demnach gegen 1893 41 414 Stimmen verloren. Das ist der Anfang des Niedergangs, über den sich die antisemitischen Führer keineswegs täuschen, wenn aucheinzelne Parteiorgane die Niederlagen zu beschönigen suchen. Der Abg. Liebermann von Sonnenberg lehnte die Theilnahme an einer Feier, die am 21. August von einem Theile seiner Berliner Freunde aus Anlaß seines 50. Geburtstages veranstaltet wurde, mit den Worten ab: „Die Lage unserer Partei erscheint wenig dazu angethan, Feste zu feiern." — „Die Partei durfte", so schrieb kürzlich die „Staatsbürger- Zeitung", „auf etwa 20 Mandate rechnen, sie durfte erwarten, nicht als schwächste Fraktion in den Reichstag einzuziehen und Anspruch auf einen Sitz im Vorstande erheben zu können. Statt dessen beklagt sie den Verlust von mehreren bewährten Abgeordneten." Die „Staatsbürger-Zeitung" erblickte eine Hauptursache der Niederlage darin, daß ihr selbst zu viel neue Konkurrenz gemacht worden sei durch die Gründung anderer, bald wieder eingegangener antisemitischer Organe. Aehnliche Klagen wurden auch von dem Zimmermann'schen Organ, der „Deutschen Wacht", erhoben. Am 28. August war der Gesammtvorstand der deutsch-sozialen Reformpartei in Gotha versammelt, um die Tagesordnung für den am 8., 9. und 10. Oktober in Kassel stattfindenden allgemeinen Parteitag festzusetzen unb über Beschaffung von Geldmitteln für die Parteiagitation zu berathen. Man beschloß zu diesem letzten Behufs eine neue Vereinigung unter dem Namen „Quittungsmarke" zu begründen. Den vierten Punkt der Kasseler Tagesordnung sollen die preußischen Landtagswahlen bilden, bei