Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 9 (September 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-09-01
- Page
- 449 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 449 JndifferentiSmus, zu vermindern und die deutschen Juden von der Nothwendigkeit zu überzeugen, sich dem feindlichen internationalen Antisemitismus gegenüber noch enger als bisher aneinander zu schließen und den nichtdeutschen Glaubensgenosien eine ebenso werk» thätige Theilnahme zu widmen wie deutsche Katholiken und Protestanten unbeschadet ihrer Vaterlandsliebe, ausländischen Glaubensgenosien zu widmen pflegen, sobald diese ihrer Religion wegen verfolgt werden. Von den Ausweisungen aus Deutschland sind leider sehr viele ausländische Juden betroffen worden, welche seit Jahrzehnten im Lande wohnen, ein redliches Gewerbe betreiben und mit deutschen Familien verschwägert sind, die nun wesentlich in Mitleidenschaft gezogen werden. Wiederholt haben sich deshalb deutsche Juden bemüht, die Behörden zur Zurücknahme derartiger Maßregeln zu bewegen, die der traditionellen gastfreundlichen Toleranz-Politik widersprechen, welcher die preußische Industrie ihre Blüthe verdankt. Wenig glaubhaft erschienen darum die Aeußerungen, daß in Frankfurt a. M. hundert ausländische jüdische Familien in Folge von Denunziationen deutscher Glaubensgenossen ausgewiesen worden seien. Dies war völlig unbegründet, denn von wohl unterrichteter Seite ist der ^„Allg. Ztg. des Judenthums" aus Frankfurt a. M. berichtet worden: „Den Beginn der Ausweisungen haben die russisch-polnischen und galizischen Juden selber herbeigeführt. Daß viele von ihnen sich unter einander bei der Polizei denunzierten, ist hier allgemein bekannt. Besonders hat ein russischer Jude, der in Folge eines häßlichen Ehebruchsprozesses von hier ausgewiesen wurde, hiesige Russen und Galizier bei der Polizei denunziert, daß sie keine oder gefälschte Pässe hätten und darum nicht zu dulden seien. Da dieser Denunziation nicht sofort Folge gegeben wurde, beschwerte er sich bei der Regierung in Wiesbaden. Ueber diese Thatsachen kann sich Jeder beim israelitischen Hülfsverein dahier, auf dem Bureau der israelitischen Gemeinde und auf dem Polizeipräsidium unterrichten." Immerhin ist es unter solchen Umständen doppelt erfreulich, daß das „zur Unterstützung der auSgewiesenen galizischen Juden" in Frankfurt a. Bi. gebildete Komitee eifrig bemüht ist, das LooS der Unglücklichen zu lindern und damit den Flecken zu tilgen, den einzelne herzlose Menschen ihren schuldlosen Glaubensgenossen aufgeheftet haben. Daß diese ausländischen Juden, die in Deutschland eine Zuflucht suchten, um den Drangsalen in ihrer Heimath zu entgehen, bemitleidenSwerth sind, hat einst auch Fürst Bismarck empfunden und öffentlich bekundet. Als Fürst Gortschakoff in der achten Sitzung des Berliner Kongresses, am 28. Juni 1878, erklärte, daß man die zu einer wahren Land-