Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 9 (September 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-09-01
- Page
- 448 (sequence 3)
- Language
- German
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448 3m deutschen Reich. begrüßen; wir würden aber auch kein Opfer an Gut und Blut scheuen, wenn wiederum die Ehre und Sicherheit des deutschen Vaterlandes von irgend einer Seite ernstlich bedroht würden. Weil solche Gesinnungen von der Mehrheit der deutschen Juden gehegt und bei jeder Gelegenheit bekundet werden, deshalb beruhen alle dieHoffnungen, welche dieVerhandlungen des zweiten Zionisten- Kongresses in Basel in antisemitischen Kreisen erweckt zu haben scheinen, auf Täuschung. Die Antisemiten, welche ohne Weiteres annehmen, daß alle Kongreßtheilnehmer öffentlich bekunden wollten, „daß sie durchaus nicht Deutsche, Oesterreicher, Franzosen oder Russen „mosaischer Konfession", sondern Angehörige ein«s eigenen Volkes" seien, übersahen absichtlich oder unabsichtlich, daß die deutschen Theilnehmer sich keineswegs für einen jüdischen Nationalstaat begeisterten, sondern nur für eine rege Förderung jüdischer Kolonien in Palästina. Daß jüdische Oesterreicher, Franzosen und Russen bei den jetzigen Zuständen in ihrer jetzigen Heimath sich nicht mehr sehr heimisch fühlen, ist begreiflich, der deutsche Jude aber hat ein Vaterland und hat Ursache es zu lieben, denn die Konstitution des deutschen Volkes ist markig genug, um die akute antisemitische Krankheit glücklich zu überstehen und zu neuer herrlicher Kraft zu gesunden. Weil die deutschpatriotische Gesinnung aber die Juden nie daran hindern wird, menschlich zu empfinden, deshalb beklagen sie nicht nur die in anderen Ländern unter hartem Druck seufzenden Glaubensgenossen oder die plötzlich aus Deutschland ausgewiefenen ausländischen Juden, sondern sie fördern auch jene Bestrebungen, welche darauf abzielen, jenen Unglücklichen eine neue sichere Heimath zu verschaffen. Während die Kolonisation Palästinas durch heimathlos gewordene Israeliten in weiten Kreisen Sympathien erregt, dürften nur sehr wenige deutsche Juden sich ernsthaft mit dem Plan der Errichtung eines jüdischen Nationalstaats beschäftigen. Wenn sich schon um die Orientreife des deutschen Kaisers ein förmlicher Sagenkreis bildete und französische, russische und türkische Blätter veranlaßte, an dieselbe die eigenthümlichsten Betrachtungen zu knüpfen, die lebhaft an die Erregung vor dem Krimkriege erinnerten, scheint doch jede Möglichkeit der Ausführung der Herzlichen Pläne vollständig ausgeschlossen. Die Hoffnung der Antisemiten, durch den Zionismus einst ein „judenreines" Deutsches Reich zü erlangen, ist deshalb eine nichtige; sie haben von dieser durch ihre Kränkungen und Gehässigkeiten hervorgerufenen Bewegung keine Förderung ihrer lichtscheuen Pläne zu erwarten, sondern nur Nachtheile. Diese an sich achtungSwerthen Gefühlen entsprossene Bewegung hat bereits dazu beigetragen, den größten Schaden für das Judenthum, den