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Im deutschen Reich · 1898-09-01 · Heft 9 (September 1898) · p. 447

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 9 (September 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-09-01
Page
447 (sequence 2)
Language
German
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Umschau. 447 Du den Frieden, so rüste zum Kriege", werde nach wie vor in Geltung bleiben. Stöcker's „Volk" äußerte sich: „Wenn die russische Regierung sich plötzlich in amtlichen Aktenstücken die bekannten Redewendungen der Frau von Suttner aneignet, so läßt das leider „tief blicken" und darauf schließen, daß die Spannung -wischen England und Rußland bereits eine so starke geworden ist, daß der Krieg doch wohl schon viel näher vor der Thür steht, als man bisher glaubte annehmen zu müssen." Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" erklärte: „Die Botschaft ist eine schöne, himmlische. Leider befinden wir uns aber auf der Erde. Es wird sich zeigen, ob sie für uns paßt. Wir aber müssen und wollen sie auffaffen nicht als Menschen, sondern als Deutsche." Wessen Deutschthum nicht identisch ist mit dem edelsten Menschenthum, der kann freilich zu keiner rechten Auffassung der Friedensbestrebungen gelangen. Dies erklärt es hinreichend, daß das Dresdener Antisemitenblatt „Deutsche Wacht" sich zu der Ansicht bekannte, „Deutschland beginge Selbstmord, wenn es der Lockpfeife des Zaren folgen wollte", daß es ferner zu behaupten wagte, nur die kleinen Staaten und die Juden seien über den Erlaß erfreut, weil letztere am unkriegerischsten seien, „ein lebhaftes und natürliches Interesse an der Abrüstungsfrage hätten" und weil „ihre Jnteresien sich mit denen der seßhaften Völker nicht deckten". Nicht eine dieser verletzenden Behauptungen ist zutreffend; die jüdischen Soldaten haben im letzten Kriege ihre militärische Tüchtigkeit bewährt; die Staatsbürger jüdischen Glaubens haben an der Abrüstungsfrage thatsächlich kein größeres Jntereffe als ihre christlichen Mitbürger, sie sind seit vielen Jahrhunderten in Deutschland seßhaft und bessere Deutsche als viele jener antisemitischen Schreier, die, obgleich selbst Einwanderer oder Abkömmlinge von nichtgermanischen Einwohnern, sich fälschlich als Autochthonen aufspielen. Aber deutsche Juden werden so wenig wie edle Christen vermögen, etwas als Deutsche und nicht als Menschen aufzufasseu; dieses Uebermenschenthum überlassen sie den auf Nietzsche schwörenden Antisemiten, die Deutschland wahrlich keine Ehre machen, wenn sie sich aus Judenhaß für galizische Plünderer und französische Generalstabs-Rechtspflege begeistern. Weil unsere deutsch-nationale Gesinnung echter als die ihre, aber deshalb auch unzertrennlich von humanen Anschauungen ist, deshalb schieben wir dem edlen Vorschlag des Zaren keine unlauteren Beweggründe unter, deshalb würden wir eine auf sicheren 'Friedensbürgschaften beruhende Abrüstung und die dadurch mögliche Verminderung der durch den bewaffneten Frieden erforderlichen schweren Lasten - mit Freuden

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