Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 9 (September 1898)
- Article
- Die Regelung des jüdischen Armenwesens, ein Erforderniß der Zeitverhältnisse
- Date
- 1898-09-01
- Page
- 436 (sequence 10)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
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436 3m deutschen Reich. fach; es ist die ungeheure Aufhäufung der jüdischen Bevölkerung, es ist das gezwungene Zusammendrängen der Juden in den Städten. Es bedeutet dies die wüthendste, unerbittlichste Konkurrenz, diejenige, die um das Brod kämpft; man urtheile selbst durch einige Zahlen. In Minsk zählt man 1 Handwerker auf 20 Personen, in Kowno 1 auf 22; in 10 kleinen Städten des Bezirks Minsk hat man 2040 Handwerker auf 15 000 Personen vorgefunden, also 1 Handwerker auf 7 Personen. Diese Zahlen bieten das traurigste Zeugniß; siebeweisen, daß der jüdische Handwerker, und wäre er noch so geschickt, so fleißig und mäßig als er es in der That ist, von seiner Arbeit nicht leben kann. Und dennoch muß er davon leben, und muß davon seine Frau und Kinder ernähren, denn er kann außerhalb seines Handwerks nichts erwarten." In so schrecklicher Weise wird systematisch die moralische Energie und physische Kraft von nahezu 5 Millionen menschlicher Wesen gebrochen! In Galizien sieht es ebenso aus. Auch hier treiben die Juden nicht nur die schwersten und gefährlichsten Handwerke, sondern gehen um Hungerlöhne in die Schwefelholzfabriken und verrichten ähnliche tödtliche Arbeiten. Unter den 800 000 Juden Galiziens ist der Prozentsatz der Almosenempfänger ein so ungeheuerer, daß man nicht weiß, wo eigentlich die Almosengeber Herkommen. Solchen Zahlen gegenüber kann von Wohlthäiigkeit gar nicht mehr die Rede sein. Hier hilft keine Wohlthätigkeit, sondern nur eine gesunde Armenpolitik, die die Kolonisation im großen Maaßstabe auf rationell wirthschaftlicher Grundlage betreibt. Ein solches Hilfswerk kann aber nur gelingen, wenn alle Kräfte zusammenwirken. Sollen wir, die unter glücklicheren Verhältnissen lebenden Juden, etwa sagen: Wir sind weit vom Schuß, ändern können wir's doch nicht, also lassen wir uns die Freude des Daseins nicht durch so trübe Bilder stören? Einigen wir uns, Einigkeit macht stark. Wenn jeder an seinem eigenen Strang zieht und einer immer dem andern entgegenarbeitet, und durch allerlei Schlagworte die Judenheit in viele Lager getrennt ist, werden alle Veranstaltungen, wie sie auch heißen mögen, und alle Millionen, die verausgabt werden, den Elenden die Erlösung nicht bringen.