Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 9 (September 1898)
- Article
- Die Regelung des jüdischen Armenwesens, ein Erforderniß der Zeitverhältnisse
- Date
- 1898-09-01
- Page
- 437 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Regelung des jüdischen Armenwesens. 437 Nach einem großen Plane muß vorgegangen, von einer großen, kräftigen. Alles umfassenden Organisation muß das Werk der Kolonisation in Angriff genommen werden, dann wird der Erfolg nicht nur der aufgewandten Mühe und den gebrachten Geldopfern entsprechen, sondern es werden sich ungeahnte, bisher brach liegende Kräfte entfalten; Fähigkeiten, die Jahrhunderte lang geschlummert haben, werden erwachen, und es werden Werthe ent» stehen, die man sich gar nicht träumen läßt. Freilich, wenn im Zwiste der Parteien alle Bestrebungen sich gegenseitig lahmen und aufheben, wie es leider bisher den Anschein hat, dann ist alles vergebens. Das Wohl und Wehe unserer ganzen Glaubensgenossenschaft hängt davon ab, daß für die gemeinsamen Ziele ein neutraler Boden geschaffen wird, auf welchem alle Schlachtrufe und Schlagwörter verstummen. Jeder gehe nach wie vor feinen eigenen Weg und thue seine Pflicht an sich selber, 'an seinen leidenden Brüdern; aber bei diesem größten aller Hilfswerke, bei der eigentlichen Ausführung des Kolonisierens, da muß alles einig sein, alles zusammen wirken: Die Millionen unserer großen Philanthropen, die Alliancen, Aflociations, Vereine aller Art, die Ackerbau-, die Gärtnerdie Handwerkerschulen aller Länder, der Schekel des Armen — — Alles, Alles muß dem einen Ziele dienen, einem Ziele, des Schweißes der Edlen werth: Die Erlösung von Millionen aus Schmach und Noth; und die Parole muß allerwärts lauten: Getrennt marschieren — vereint kolonisieren. Dann werden wir wirklich wie Juden im altjüdischen Geiste handeln, in jenem Geiste, der die Eingangs erwähnten Gesetze zur Fürsorge für die Elenden und Enterbten geschaffen hat, in jenem Geiste, dessen Fundament die Gerechtigkeit und dessen Krönung der Friede ist. Dann werden wir uns wieder erfreuen können an jenem schönen, erhebenden, in hellsten Lichtfarben strahlenden Bilde, das uns die jüdische Wohlthätigkeit in ihrem Entstehen, Werden und Wachsen vorführt und die stolze Enwickelung zeigt, die aus der edlen Saat der jüdischen Armengesetzgebung hervorgegangen ist. Dann werden wir uns sagen können: Auch wir Heutigen haben das Unsrige gethan, wir haben als wahre Juden gehandelt, d. h. als wahre Menschen. München. Rosalie Perles.