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Im deutschen Reich · 1898-09-01 · Heft 9 (September 1898) · p. 435

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 9 (September 1898)
Article
Die Regelung des jüdischen Armenwesens, ein Erforderniß der Zeitverhältnisse
Date
1898-09-01
Page
435 (sequence 9)
Language
German
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Vie Regelung des jüdischen Armenwesens. 435 Glaubensgenossen auch viel gethan, um zu helfen, zu bessern und für die Zukunft Aussaat zu streuen. Millionen und aber Millionen sind für Schulen gespendet worden, ebensoviel und noch mehr für Kolonien. Unzählige Vereine für Kolonisation diesseits und jenseits des Ozeans arbeiten für das Hilfswerk; aber er ist, als ob das Alles nur die Wirkung hätte wie ein Tropfen, der auf einen heißen Stein fällt. Das heimische Elend verringert sich nichtja es kommen aus Rußland immer neue Hiobsposten, wie diejenige über das Alkohol-Monopol, welches wieder 100 000 jüdische Familien gleich 700 000 Seelen an den Bettelstab gebracht hat.*) Die russischen Beamten, die von der Regiemng angewiesen waren, die jüdische Frage vom ökonomischen Standpunkte zu studieren, entwerfen folgendes Bild: 300 000 jüdische Handwerker leben zusammengedrängt im „Territorium". Die Gesammtzahl der jüdischen Handwerker, also die im Innern des Landes hinzugerechnet, beträgt 600 000, also das bedeutendste Element der jüdischen Bevölkerung. In vielen Bezirken bilden nach obigem Bericht die Juden 80-% der Gesammtzahl der Handwerker. Wie lebt diese Unmenge von Handwerkern? Um welchen Lohn arbeitet sie? „ES ist dies eins der schmerzlichsten Probleme der jüdischen Frage. Niemand, auch nicht der am wenigsten Wohlwollende, könnte diesen tausenden von Handwerkern Mangel an Energie vorwerfen; eher könnte man ihnen das Gegentheil zur Last legen, daß sie nicht genügend ihre Kräfte schonen, daß sie jede Arbeit annehmen, die schwierigste, mühsamste gegen einen lächerlichen Lohn." Der offizielle Bericht fährt fort: „Sie betreiben die schwierigsten und gefährlichsten Handwerkszweige; im Bezirk Mohilev sind alle Dachdecker Juden; 80 % der Schmiede und Kesselschmiede, 70 % der Schreiner und 43 % der Ofensetzer. Und das Elend dieser Handwerker spottet jeder Beschreibung. Der jährliche Durchschnitt des Lohnes eines jüdischen Handwerkers beträgt 70—80 Rubel. In Berditschef verdient ein jüdischer Handwerker gewöhnlich 2 Rubel wöchentlich. Durch welches ökonomische Problem ist dieser sparsame und unermüdliche Handwerker zu solcher Armuth verurtheilt? Die Antwort auf diese Frage ist ein- *) Näheres hierüber ist zusammengestellt im Bericht der Alliance israfelite universelle I. und II. Semester, 1896, Seite 35 u. f.

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