Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 9 (September 1898)
- Article
- Die Regelung des jüdischen Armenwesens, ein Erforderniß der Zeitverhältnisse
- Date
- 1898-09-01
- Page
- 434 (sequence 8)
- Language
- German
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massenhafte Zuströmen der Aermsten der Armen, der heimatlosen Familien aus Rußland, Galizien, - Rumänien rc. Hier soll nicht von dem Theile derselben die Rede sein, der aus ,der Wander« Bettelei bereits eine Profession gemacht hat. Darüber habe ich an anderer Stelle*) des Näheren mich ausgesprochen. Hier habe ich die tausende von Familien im Auge, die in allen Weltgegenden, in Amerika, in England, in Paris, in Amsterdam, in Berlin, in Wim, in Frankfurt a. M. und wo sonst ein blühendes Gemeinwesen zu finden ist, ihr Elend einschleppen und welche, selber niemals zur Ruhe kommend, auch die Gemeinden niemals zur Ruhe kommen lassen. Wer kann es ihnen verargen, wenn sie sich herauszuretten suchen aus einer Armuth, gegen welche unsere einheimische nur eine Miniaturarmuth zu nmnen ist? Wie wir auch die WohlthätigkeitSfrage von unserem jüdischen Standpunkte aus hin und her wmden mögen — immer wird sie einmünden in die große Frage: Was ist mit dem Massenproletariat jener Länder anzufangen, was mit dem Massenelend, das sich immer drohender an unsere eigenen Fersen, heftet? ES hat sich vor einigen Monaten in Berlin ein Komitee aufgelöst, welches zur Hilfeleistung für die vor acht Jahren aus Rußland vertriebenen Juden zusammengetreten war, weil dessen Aufgabe jetzt als beendet zu betrachten und keine Gelegenheit mehr zu weiterer Thätigkeit vorhanden ist. Ach, und die nicht vertriebenm, sind sie etwa besser daran? Brauchen die nicht mehr dm Rath und die Hilfe unserer praktischen, thatkräftigen, intelligmten Männer? Ist nicht der größte Theil der russischen und galizischen Juden ärger daran, als Vertriebene, ja ärger als Abgebrannte und Ueberschwemmte, für die doch das Mitleid so rege, die Hilfe so bereit und alle Hände und Köpfe thätig sind? Man braucht nicht ein Jude zu sein, um tief erschüttert zu werden, wenn man die schrecklichen Statistiken über die dortigen Zustände hört, — Zahlm, vor denen jedes menschlich fühlende Herz erstarrt, — Zahlm, die so unglaubliches, haarsträubendes Elmd mthüllen, daß jedem fühlenden Menschen die Freude am eigmen Dasein vergehen muß. Angesichts dieser herzbelastenden Thatsachen wird von dm unter glücklichen Verhältnissen lebenden *) Allgemeine Zeitung des Judenthums Nr. 38, S 453 u. f.