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Im deutschen Reich · 1898-09-01 · Heft 9 (September 1898) · p. 433

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 9 (September 1898)
Article
Die Regelung des jüdischen Armenwesens, ein Erforderniß der Zeitverhältnisse
Date
1898-09-01
Page
433 (sequence 7)
Language
German
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man Nach und nach in die richtigen Wege einlenken. Es «erden z. B. die Wohlthaten in der Regel nicht ganz ohne Entgelt gereicht werden, wodurch sie das Entwürdigende und Demoralisierend« verlieren. Es wird ein gewiffes Recht, wenn auch nur durch eine ganz geringe Gegenleistung auf die Wohlthat erworben werden müssen. So z. B. wird in der Regel ein Mittageffen nicht ganz umsonst, sondern für einen sehr billigen Preis verabreicht werden. Auch das Recht auf Arzt und Arzenei wird durch einen, wenn auch noch so minimalen Beitrag zur Krankenkafle erworben werden müssen. Es werden, und das ist die eigentliche Krönung des richtigen Prinzips, Anstalten aller Art, ländliche wie städtische, entstehen, welche sich mit der Zeit selbst erhalten werden, sei es durch Landbau, Handwerk, Handarbeit, sei es durch kleine und größere Gegenleistungen in Geld, das von den Jnsasien außerhalb verdient wird. Die verschiedenen, schon existierenden Anstalten solcher Art beweisen durch ihr Gedeihen und Blühen nicht nur die Möglichkeit solcher Einrichtungen, sondern strafen diejenigen Lügen, welche immer durch de.n Hinweis auf die Höhe der erforderlichen Kapitalien ihre ablehnende Haltung gegenüber ähnlichen Reformen motivieren und es vorziehen, noch viel größere Summen, die sich Niemals rentieren, in unfruchtbarem Almosengeben jahraus jahrein zu vergeuden. Daß es in der bisherigen Weise nicht mehr lange fortgehen kann und darf, wird von keiner kundigen Seite mehr angezweifelt und wenn auch nach den gemachten Erfahmngen die Hoffnung aufgegeben werden muß, daß die private Wohlthätigkeit zur richtigen Einsicht und zu vernünftigem Verfahren zu bekehren ist, so werden doch die gemeindlichen'Organe, soweit sie nicht schon in die richtigen Wege cingelenkt sind, hoffentlich bald mit dem veralteten System endgiltig brechen. Wenn aber auch alle vernünftigen Grundsätze moderner Armenpflege und Hilfeleistung in unseren jüdischen Gemeinden bereits, durchgeführt wären, dann beginnen für uns erst die eigentlichen Schwierigkeiten, gegen welche auch das beste Armenpflegesystem ohnmächtig sich erweist, Schwierigkeiten, mit denen wir Juden nur ganz allein zu kämpfen haben, und die anderen Konfessionen, wenigstens in dem Maaße, fremd sind. Ich meine das unablässige.

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