Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 8 (August 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-08-01
- Page
- 412 (sequence 4)
- Language
- German
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412 )m deutschen Reich. Gelegenheiten hervorgehoben worden ist: „Nur die allergrößten Kälber wählen ihren Metzger selber!" In der ihr eigenen geschmackvollen Ausdrucksweise brachte dann auch die „Deutsche Tageszeitung" die Angelegenheit zur Sprache, indem sie u. A. berichtete: „Die sogenannte Judenschutztruppe hat also dir Unverfrorenheit besesien, alle Erwählten des deutschen Volkes durch das Kaudinische Joch einer Liebeserklärung für die Nachkommen der Sarah, Rebekka und Rahe! zwingen zu wollen, der inländischen und der ausländischen." Die „Kreuz-Zeitung" schloß ihre Besprechung der Angelegenheit mit den Worten: „Namentlich aber ist die Fürsorge der „deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens" für ihre ausländischen Stammesgenosien beachtenswerth. Das organisierte Vorgehen der Judenschaft und das beharrliche aber vorsichtige Betreiben ihrer speziellen Interessen verdient die hohe Aufmerksamkeit der christlichen Bevölkerung." Von dem frommen Blatt, das gewiß eine Anteilnahme deutscher Protestanten an dem nicht sehr beneidenswerthen Loose der evangelischen Bewohner der russischen Ostseeprovinzen als selbstverständlich betrachten würde, hätten wir für das Mitgefühl, das deutsche Juden den zuweilen plötzlich mit Ausweisung bedrohten, seit langen Jahren in Deutschland wohnenden und mit Deutschen verschwägerten ausländischen Juden widmen, doch etwas mehr Verständniß erwartet. Jedenfalls hat nicht nur die „Kreuz-Zeitung" unser „organisiertes Vorgehen" und „beharrliches aber vorsichtiges Betreiben jüdischer Interessen" anerkannt, in erfreulichster Weise haben dies auch viele unserer Glaubensgenossen gethan und durch ihren Beitritt zum Central - Verein neuerdings bekundet. Die Zahl der Einzelmitglieder ist dadurch auf fast 9000, die der korporativ angeschlossenen Gemeinden auf 61 gestiegen, so daß der Central-Verein jetzt eine Vereinigung von etwa 40 000 deutschen Juden darstellt. Zu den Städten, aus welchen in neuester Zeit zahlreiche Beitrittserklärungen eingingen, gehören u. a. Darmstadt, Krefeld, Gunzenhausen und F l a t o w. Wenn wir auf die treue Gefolgschaft dieser zahlreichen Anhänger auch künftig rechnen können, wenn unser „beharrliches aber vorsichtiges Betreiben" durch das volle Vertrauen derselben konsequent gestützt und getragen wird, dann wird es uns noch leichter wie bei den Reichstagswahlen möglich werden, bei den Wahlen zu den E i n z e l l a n d t a g e n den Beweis zu liefern, „daß wir keine Kälber sind, die ihre Metzger wählen". Wir fordern von keiner Partei etwas anderes als Anerkennung und Sicherung der uns versasiungsmäßig verbrieften Rechte, und wir erwarten die Erfüllung unserer Wünsche in der festen Ueberzeugung, daß dadurch die